Weihnachtsausstellung in St. Annen Lübeck: Was macht das Zebra an der Krippe? Weihnachten weltweit.

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(CIS-intern) – Erstmals wird es im Museumsquartier St. Annen in Lübeck eine Weihnachtsausstellung geben. Titel: Was macht das Zebra an der Krippe? Weihnachten weltweit. In den neuen Sonderausstellungsräumen sind ab 10. November eindrucksvolle Krippenfiguren aus allen Kontinenten zu sehen. Zudem werden Gabenbringer – von Nikolaus bis Väterchen Frost – vorgestellt. Und: Der Blick weitet sich in Richtung des jüdischen Lichterfestes Chanukka und des in den USA verbreiteten Kwanzaa-Festes. Die Ausstellung wurde am heutigen Vormittag im Rahmen eines Pressetermins der Öffentlichkeit vorgestellt.

Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Leitender Direktor der Lübecker Museen, betonte: „Ich freue mich darüber, dass wir Lübeck als Weihnachtsstadt des Nordens in diesem Jahr mit einer Weihnachtsausstellung der ganz besonderen Art bereichern können. Ich denke, dass ein Besuch in Lübeck in den nächsten Wochen damit noch attraktiver wird und danke allen Mitarbeitern im Museumsquartier für das große Engagement in dieser Sache.“

Foto: Weihnachtsmann, Deutschland, Anfang 21. Jh., Völkerkundesammlung der Hansestadt Lübeck, Foto: Ilona Ripke, Berlin

Das Weihnachtsbrauchtum hat sich aus altrömischen, ägyptischen, syrischen persischen, jüdischen, slawischen und germanischen Wurzeln entwickelt und über große Teile der Welt verbreitet. Seit dem Ende des 3. Jahrhunderts feiern Christen die Erinnerung an die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem. Zwischen dem 4. und 7. Jahrhundert übernahmen auch die orthodoxen und orientalischen Kirchen das Weihnachtsfest in ihren Jahreslauf; sie feiern es zum größten Teil bis heute an Epiphania (6. Januar).

In Ägypten wurde das Weihnachtsfest im Jahre 432 eingeführt, in Palästina erst 634, da das Geburtsfest in Konkurrenz zum jüdischen Chanukka-Fest stand. In Frankreich und Deutschland war das Weihnachtsfest noch im 8. Jahrhundert unbekannt. Erst 813 wurde das Fest der Geburt Jesu in Deutschland zum kirchlichen Feiertag erklärt. Die deutsche Bezeichnung „Weihnachten“ erschien erstmals im 12. Jahrhundert: „Ze wihen nahten“, „zu den geweihten Nächten“, damit war eine vorchristliche Zeit gemeint, die Opferzeit der germanischen Mittwinternächte. In der westlichen Kirche wird bis heute am Abend des 24. Dezember der Vorabend der Geburt begangen.

In der Weihnachtsausstellung im Museumsquartier werden insgesamt 500 Exponate gezeigt, darunter bemerkenswerte Stücke aus der Lübecker Völkerkundesammlung. Hervorzuheben sind eindrucksvolle Krippenfiguren aus aller Welt. Der Begriff „Krippe“ bezeichnete ursprünglich lediglich den Futtertrog für im Stall gehaltene Tiere, in dem Jesus von Nazareth nach seiner Geburt gelegen haben soll. Erst im 17. Jahrhundert ging die Bezeichnung „Krippe“ im deutschen Sprachgebrauch auf den Raum des Geschehens, auf das ganze Figurenensemble und die dargestellte Landschaft über.

Herzstück einer Krippe ist immer die Heilige Familie, Maria, Joseph und das Jesuskind. Dazu kommen in der Regel Ochse und Esel bzw. Tiere der jeweiligen Region , Hirten und Engel und die drei Weisen aus dem Morgenland. Die Verbreitung der Weihnachtskrippe über weite Teile der Erde ist im europäischen Kolonialismus und dem Missionsgedanken des Christentums begründet. Unter dem Einfluss katholischer Missionare, insbesondere von Jesuiten, gelangte die Krippe ab dem 16. Jahrhundert nach Amerika, Afrika und Ostasien. Jahrhunderte lang wurden in diese Gebiete Krippen aus Europa importiert.

Erst Mitte des 20. Jahrhundert, vielfach erst nach 1965, entwickelten sich in den einzelnen Ländern und Regionen eigenständige Krippentypen. Kuratorin Dr. Brigitte Templin erklärte: „Es ist immer wieder frappierend zu sehen, wie gleichartiges Kulturgut im Anpassungsprozess zu immer neuen originellen Ausdrucksformen führt.“

deutlich von der traditionellen europäischen Darstellung abweicht. Sie besteht aus zwei Flößen. Auf einem ist die Heilige Familie, auf dem anderen sind die Heiligen drei Könige dargestellt. Eine Fülle von Urwaldtieren und Früchten umgibt sie. Die Shipibo-Frauen sind Meisterinnen der Keramik. Da Brennöfen nicht gebräuchlich sind, werden die Gefäße bei Temperaturen unter 900 Grad in offenen Feuerstellen gehärtet.

Auf den von zwei Königen getragenen Gefäßen und auf dem Rock von Maria sind die typischen Muster der Shipibo zu erkennen. Die Shipibo-Frauen wandeln die bedeutungsvollen überlieferten Grundmuster je nach eigenem Geschick ab und verleihen ihnen sogar persönliche Namen. Diese geometrischen Muster finden sich auf Körpern, Textilien, Booten und vor allem auf Maisbierkrügen und -schalen. Die Keramiken der Shipibo erinnern an die kunstvoll bemalten und gravierten Urnen der alten, untergegangenen Marajó-Kultur des Amazonas-Beckens, die mit ganz ähnlichen Ornamenten verziert sind.

Ein ungewöhnliches Stück ist auch die Krakauer Krippe aus Pappe und buntem Staniolpapier, die so genannte szopka. Szopka bedeutet ursprünglich „Schuppen“ oder „kleine Hütte“. Ihre Besonderheit liegt darin, dass sie in ihrer Form die Architektur berühmter Gebäude ihrer Stadt aufnimmt, insbesondere die der Kirchen. Das über 1000-jährige Krakau wird vor allem mit den Türmen der Marienkirche zitiert.

Diesen Typus, der einer Tragekrippe für Krippenspiele junger Leute entlehnt ist, gibt es seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 1937 wurde in Krakau ein Wettbewerb um die schönste Weihnachtskrippe ausgerufen. Seitdem werden aus Karton und Metallpapier – meist Schokoladen- und Bonbonfolie – die zierlichsten Bauten mit fragilen Türmen gebastelt. Eine Kerze oder elektrisches Licht erleuchtet dann bei der abendlichen Präsentation die Krippe auf das Prächtigste. Hergestellt werden die szopki in langen Arbeitsstunden von Krakauer Familien.

Ein Bereich der Weihnachtsausstellung im St. Annen-Museum ist den Gabenbringern gewidmet. Neben Weihnachtsmann, Nikolaus und Christkind finden sich in anderen Ländern analoge Personifizierungen des Festes. In der ehemaligen Sowjetunion wurde das Weihnachtsbrauchtum nach der Oktoberrevolution von 1917 als feudal-bürgerliches und religiöses Relikt bekämpft.

Weihnachtsriten und Nikolauskult der russisch-orthodoxen Kirche wurden verboten und verdrängt. Dagegen wurde u.a. in den 30iger Jahren des 20. Jahrhunderts die „Neujahrstanne“ und das Gabenbringen durch „Väterchen Frost“ propagiert. Er bringt während des Neujahr-Festes zusammen mit seiner Gefährtin Snegurotschka (Schneeflöckchen) den Kindern und Erwachsenen Geschenke. Daneben zeigt die Schau Darstellungen zahlreicher weiterer Gnadenbringer und ihrer Helfer, unter anderem vom Krampus aus Österreich und vom Zwarten Piet aus den Niederlanden.

Neben den Themen Krippen und Gabenbringer wird in der Weihnachtsausstellung das populäre jüdische Lichterfest Chanukka vorgestellt, das in zeitlicher Nähe zum christlichen Weihnachtsfest liegt. Auch das seit 1966 in den USA verbreitete, in Europa aber ziemlich unbekannte Kwanzaa-Fest, das von Afro-Amerikanern gefeiert wird, ist Thema der Ausstellung.

Chanukka ist ein historisches Fest von geringem theologischem Gewicht und es verlor im ausgehenden 18. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung. Erst mit dem Aufkommen einer nationaljüdischen Bewegung trat es wieder hervor. Ab dem 19. Jahrhundert kam es zu wechselseitigen Beeinflussungen zwischen Chanukka und Weihnachten. Bestandteile des Weihnachtsfestes wurden für das Chanukka-Fest übernommen.

Dazu gehörte das Schenken, das zuvor nicht üblich war.
Beim Kwanzaa (= erste Früchte der Ernte) -Fest, das 1966 von Maulana Karenga für Afroamerikaner entwickelt wurde, wird in jeder der Nächte vom 26. Dezember bis zum 1. Januar eine Kerze in einem eigens dafür geschaffenen Leuchter angezündet. Die Farben Rot, Schwarz und Grün der Kerzen verweisen auf Afrika und damit auf die Vorfahren bzw. Wurzeln der Menschen. Einigkeit, Selbstbestimmung, Zusammenarbeit und Verantwortung, gemeinsames Wirtschaften, Zielstrebigkeit, Kreativität und Glaube sind die sieben Prinzipien des Kwanzaa.

Ausstellungseröffnung
Die Ausstellung wird am Sonntag, 10. November, um 11.30 Uhr eröffnet.
Eintritt: 6 Euro, ermässigt 3 Euro.

Rahmenprogramm
Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet, an dem zahlreiche Vereine und Institutionen mitgewirkt haben. Besonderer Dank gilt vor allem der Bürgerakademie Lübeck, dem Deutschen Frauenring e.V., Ortsring Lübeck, dem Deutschen Verband Frau und Kultur e.V., Gruppe Lübeck, der Deutsch-Finnischen Gesellschaft, Bezirksgruppe Lübeck, der Deutsch-Griechischen Gesellschaft zu Lübeck e.V., der Deutsch-Ibero-Amerikanischen Gesellschaft Lübeck e.V., der Deutsch-Italienischen Gesellschaft Lübeck e.V., der Gesellschaft für Geographie und Völkerkunde zu Lübeck e.V., dem Katharineum zu Lübeck, dem Kinder- und Jugendkulturhaus Röhre Lübeck, der Polnisch-Deutsche Sozial-Kulturelle Gesellschaft “Lubeka 95” e.V., dem Verein Sverigevänner i Lübeck e.V. (Schwedenfreunde) und der VHS Lübeck. Die Michael-Haukohl-Stiftung bietet Schülern im Rahmen des Projektes “Jugend ins Museum” Führungen an.
Das gesamte Rahmenprogramm finden Sie im beigefügten Programm-Flyer und unter www.welt-weit-weihnachten.de

Weihnachtsrallye
Für Familien, Kinder und Jugendliche wurde die „Weihnachtliche Weltreise“ zur Weihnachtsausstellung erarbeitet. Wer mag, bekommt einen Rallye-Flyer kostenlos an der Museumskasse und kann dann auf Entdeckungsreise gehen.

Tickets online
Erstmals kann man Eintrittskarten für eine Ausstellung auch online buchen: www.luebeck-ticket.de/zebra

Shopangebot
Der Museumsshop bietet außergewöhnliche Artikel an, unter anderem speziell für diese Ausstellung produzierte Zebra-Weihnachtsbaumkugeln. Ein Besuch lohnt sich!

PM: Lübecker Museen