Rezension: Das Versagen der nordelbischen Kirchen 1945

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(CIS-intern) – Von Horst Schinzel Als im Mai 1945 der Zweite Weltkrieg in Deutschland zu ende ging, bestanden auf dem Gebiet der späteren nordelbischen Kirche vier höchst unterschiedlich vom Kirchenkampf während des Nationalsozialismus geprägte Landdeeskirchen. Während in Lübeck Deusche Christen so gut wie vollständig das Sagen hatten, waren in Schleswig-Holstein und Hamburg die Landeskirchen fast vollständig vom Natioanalprostantismus geprägt. Eine Ausnahme machte die kleine Landskirche Eutin. Hier hatte es der 1930 zum Landespropst gewählte – knorrige- Wilhelm Kieckbusch verstanden, seine Kirche vom Kirchenkampf fernzuhalten. Was ihn wohl bewogen haben mag, drei vormaligen – und schwer belasteten – Bischöfen der Deutschen Christen und einem Generalsuperintenden Unterschlupf zu gewähren.

Foto: http://www.kirchenshop-online.de

Während in Lübeck die Landeskirche schnell und gründlich vom brauen Spuk gereinigt worden ist, beließen es Schleswig-Holstein und Hamburg damit, das Kirchenregime auf die verfassungsmäßigen Zustände vor 1933 zurückzuführen. Sonst aber feierten weiterhin Anti-Judaimus und nationalprotestantisches Denken fröhliche Urständ. Und die Stuttgarter Schulderklärung der neuen Leitung der Evangelischen Kirche in Deutschland stieß auf völliges Unverständnis.

Diese Zusammenhänge heraus gearbeitet zu haben, ist das Verdienst des jetzt vorgelegten ersten Teils einer Studie des Kirchenhistorikers Stephan Linck „Neue Anfänge – Der Umgang der Evangelischen Kirche mit der NS-Verfangenheit und ihr Verhältnis zum Judenturm““. Eine Studie, die von der Leitung der neuen Nordkirche mit Erschütterung aufgenommen worden ist.

Allgemein ist der deutschen Gesellschaft die Abkehr vom Nationalsozialismus sehr schwer gefallen. Die totale Niederlage im mai 1945 wurde weit mehr als Gottesgericht denn als Folge des Versagens der deutschen Gesellschaft nach 1918 empfunden. Treue zu Gott müsse wiedergefunden werden – eine Formel, die gerade ein Mann wie Wilhelm Kieckbusch immer wieder betont hat. Der Zeitzeuge bestätigt gern, dass diejenigen Theologen, denen er im Eutinischen Unterschlupf gewährt, sich bemüht haben, dieser Forderung nachzukommen. Die Studie behauptet, dass sich Hugo Rönck weiterhin als Bischof habe anreden lassen. Der Zeitzeuge kann aus vielfältigen Kontakten in der „Jungen Gemeinde“ dies durchaus nicht bestätigen. Natürlich wussten wir, dass Rönck Bischof der DC in Thüringen gewesen war. Aber für seine Gemeinde war er der „Herr Rönck“ – für die damalige Zeit ungewöhnlich genug ohne Anrede mit der Amtsbezeichnung Und wenn in Hamburg vom „Eutiner Mülleimer“ gesprochen worden ist, so sind aus der Ferne die Verhältnisse arg verkannt worden. Beim „Eutiner Pastorenstreit“ nur wenige Jahre später ist es viel ärger zugegangen.

Fakt ist, dass es in der Kirche keine Selbstreinigung gegeben hat. Und als sich in den Sechziger Jahren junge Pastoren in der längst vergessenen „Deutschen Friedens Union – DFU – Gedanken über den Frieden machten, gerieten sie in die Beobachtung des Verfassungsschutzes. Und der Kirchenleitung…

Stephan Linck, Neu Anfänge? Der Umgang der evangelischen Kirche mit de NS-Vergangenheit und ihr Verhältnis zum Judentum. Die Landeskirchen in Nordelbingen, 2013, Lutherische Verlagsanstalt, Kiel

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