Geschichten hinter der Geschichte des Eutiner Schlosses

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(CIS-intern) – Von Horst Schinzel Ohne Zweifel: Dieser Band 13 der „Eutiner Forschungen“ ist ungewöhnlich. Abseits der „großen“ Regionalgeschichte befassen sich die meist aus Kiel stammenden Autorinnen und Autoren als Ergebnis einer Tagung von Geschichtswissenschaftlern aus Kiel und Eutin im April 2014 mit dem persönlichen Geschehen rund um die Eutiner Fürsten im 17., 18. und 19. Jahrhundert. Die reichsunmittelbaren Fürstbischöfe des einzigen evangelischen Bistums des Deutschen Reiches wurden aufgrund einer Vereinbarung mit dem Domkapitel und später des Westfälischen Friedens vom Hause Schleswig-Holstein-Gottorf gestellt. Daraus entstand die so genannte Jüngere Linie, die später dann mit den Kaiser- und Königshöfen von fast Europa verwandt war.

Eben diese Heiratspolitik ist der Ausgangspunkt dieses Buches. Von hier werden die menschlichen Hintergründe im Wirken dieser Fürsten dargestellt. Da ist der Bischof Hans, dessen Ehe mit einer gebildeten und anspruchsvollen württembergischen Prinzessin scheitert. Auch auch eben diese Julia Felicitas kommt zu Wort, die wohl psychische Probleme hatte, aber durchaus nicht geisteskrank war. Der Gründer der Kieler Universität Christian Albrecht war auch zeitweise Fürstbischof und nutzte die Eutiner Hofbibliothek zur Ausstattung seiner Gründung. Adolf Friedrich war – bevor er König von Schweden wurde – Verwalter des Herzogtums und nutzte diese Stellung, um unter Umgehung des vorliegenden Testaments sein Mündel Karl Peter Ulrich auf den Zarenthron zu hieven.

Adolf Friedrich endete tragisch. Nachdem er sich hoffnungslos „überfressen“ hatte, starb er an einem Schlaganfall. Seine Nachfolger waren in der neuen Heimat nicht unumstritten. Der Tod Gustav III. nach einem Mordanschlag in der Stockholmer Oper wurde von Verdi als Stoff einer Oper verarbeitet.

In der Folge waren die politischen Verhältnisse in Schleswig-Holstein nach dem Ende des Nordischen Krieges untragbar worden. Dänemark und Russland sorgten im Vertrag von Zarskelo Selo für die „Ruhe des Nordens“, in dessen Folge der Eutiner Fürstbischof August Friedrich sich als Herzog von Oldenburg wiederfand. Diese Ruhe war noch einmal gefährdet, als sich zeigte, dass dessen Sohn Peter Friedrich Wilhelm wunderliche Züge und eine fatale Neigung zum Katholizismus an den Tag legte. Die Großmächte sorgten dafür, dass sein Neffe Peter Friedrich Ludwig Bischof und Verwalter des Herzogtums wurde. Als diese Dinge entschieden wurden, befand Peter sich auf einer Bildungsreise nach England. Seine Briefe aus dieser Zeit zeugen davon, dass er Französisch perfekt beherrschte, während sein Deutsch nach heutigen Maßstäben etwas wunderlich war.

Die Fürsten des Bistum- Die fürstbischöfliche oder jüngere Linie des Hauses Gottorf in Eutin bis zum Ende des Alten Reiches. Eutiner Forschungen Band 13, Eutin 2015, Herausgegeben von der Eutiner Landesbibliothek