Zwei Zemlinsky-Opern in Lübeck

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(CIS-intern) – Von Horst Schinzel Der österreichische Komponist Alexander von Zemlinsky (1871 – 1942) hatte mit seiner komplizierten Tonsprache zu seinen Lebzeiten durchaus Erfolg. Der Nachwelt ist er allerdings vor allem als zeitweiliger Geliebter der jungen Alma Schindler – später Mahler, noch später Werfel – in Erinnerung. Sein schmales Lebenswerk ist heue weitgehend vergessen. Sehr zu Unrecht, wie die Aufführung zweiter seiner Kurzopern jetzt in Lübeck gezeigt hat. Hier hatten „Der Zwerg“ und „Eine florentinsche Tragödie“ an diesem Freitag Premiere. Wenn diese Auffahrung zu einem sehr beachtlichen Erfolg wurde, dann trotz misslicher Umstände.

Fotos Jochen Quast

Generalmusikdirektor Ryusuke Numajiri wollte selbst das Dirigat übernehmen. Aber er musste sich krank melden und Andreas Wolf kurzfristig einspringen. Der als Zwerg vorgesehene Sänger Fulvio Oberto erkrankte stimmlich. Für ihn übernahm Erik Fenton den Gesangspart. Während Oberto eindrucksvoll agierte bis hin zu den passenden Mundbewegungen, sang Fenton von der Seitenbühne aus vom Blatt mit großer herrlicher Stimme. Das Premierenpublikum war begeistert. Noa Danon als Infantin Donna Clara ist eine attraktive Frau, die sängerisch wie darstellerisch überzeugte. Als Ihre Lieblingszofe Ghita und als Haushofmeister beeindruckten die Ensemblemitglieder Evmorfia Metaxaki und Taras Konoshchenko. Die Rollen der weiteren Zofen waren mit den Opernelitestudio-Mitgliedern Frauke Becker, Steinnun Soffia Skjenstad und Annette Hörle eindrucksvoll besetzt. Die Damen des Opernchors – Einstudierung Joseph Feigl – boten in den Kostümen von Roy Spahn ein buntes Bild.

Nach er Pause dann Wolfgang Schwenninger, Gerard Quinn und Wioletta Hebrowska in der „Florentinischen Tragödie“. Und hier nun ein gänzlich anderes Regiekonzept vom Bernd Reiner Krieger, Mitglied des Leitungsteams des Hauses. Während er im ersten Teil ein buntes orientalisches Märchen von einem makabren Geburtstagsgeschenk mit wunderschönen Volkszenen zeigt, lässt er in der Geschichte vom betrogenen Handelsherrn Simone die Sängerin und die beiden Sänger sehr statuarisch agieren. Erst in der tödlichen Schlussszene kommt Bewegung auf. Eine dramatische, eigentlich unwahrscheinliche und höchst unmoralische Geschichte, in der die Sänger sehr unterkühlt agieren. Und sehr unterschiedlich auch die Orchesterleistung. Während das im ersten Teil sehr farbig, aber doch zurückhaltend spielt, kommt in der „Tragödie“ die Musik meist viel zu laut aus dem Graben.
Der Beifall ist lang und herzlich.

Weitere Aufführung

24. April, 19.30 Uhr

Jochen Quast