Grass-Haus würdigt Multitalent Klaus-Peter Dencker

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(CIS-intern) – Von Horst Schinzel Mit dem vielseitigen Künstler Klaus-Peter Dencker ist erstmals überhaupt im Grass-Haus ein lebender Lübecker Gegenstand einer Ausstellung. Er war 17 Jahre lang Leitender Regierungsdirektor in der Hamburger Kulturbehörde. Daneben machte er Musik in einer Jazzband und widmete sich seiner wahren Leidenschaft: Der Visuellen Poesie. Das macht er auch heute noch. Er gilt als einer der international wichtigsten Autoren dieser Kunstform zwischen Text und Bild. Anlässlich seines 75. Geburtstages zeigt das Günter Grass-Haus in Lübeck die Ausstellung
SEHQUENZEN. Sie wurde an diesem Sonnabend eröffnet
.
“Wir freuen uns, dass wir in unserem Forum für Literatur und bildende Kunst erstmals die Werke eines gebürtigen Lübeckers präsentieren können, der Wort und Bild auf einem Blatt miteinander verknüpft”, betonte Museumsleiter Jörg-Philipp Thomsa.

Klaus Peter Dencker, 1941 in Lübeck-Travemünde geboren, studierte Literaturwissenschaft, Japanologie und Philosophie. Ende der Sechziger Jahre veröffentlichte er erste literarische Arbeiten. Schon früh jedoch bezweifelte er, dass sich allein mit Sprache die Welt erklären ließe und er begann, seine Texte visuell zu gestalten. Aus Schrift, Zeichen und vorgefundenen Materialien komponiert er Textbilder, die im Kopf eines jeden Betrachters andere Geschichten entstehen lassen.
Mit dem Einsatz von Farben, Formen oder Fotos in einer ausgefeilten Collagetechnik bricht er die Bedeutung der Wörter auf. Durch Sprachspielereien, Provokationen und Irritationen entstehen Bilder, die auf den ersten Blick rätselhaft erscheinen. Doch wer seine Augen über die Bildflächen wandern lässt, kann darin eine Vielzahl von Geschichten entdecken und erfinden. Die eigentliche Poesie findet im Kopf des Betrachters statt.

Seine Arbeit als Filmemacher und Fernsehredakteur – er war unter anderem 20 Jahre lang für die ARD tätig – führte den Künstler zu einer neuen und unverwechselbaren narrativen Form für seine Textbilder, mit der er die Visuelle Poesie entscheidend weiterentwickelte. Während der Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm über die Vatikanischen Museen entstand eine seiner ersten und bisher umfangreichsten Sequenzen: Die Reise nach Rom besteht aus einer Serie von 120 Blättern. Jedes für sich erzählt eine eigene verrätselte Geschichte und in der Zusammenschau aller eröffnet sich wiederum ein neues Narrativ.

Die von Tatjana Dübbel kuratierte Ausstellung zeigt insgesamt rund 70 Exponate, die teilweise aus einer größeren Anzahl einzelner Blätter bestehen. Außerdem werden drei Experimentalfilme präsentiert. Die eigentliche Geburtstagsfeier soll im Rahmen der Finissage 22. März stattfinden