Alfons – live mit dem Programm “Mein Deutschland” in der Schleswiger Heimat

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(CIS-intern) – Der Wiedererkennungswert könnte größer kaum sein: Puschelmikrofon und orangefarbene Trainingsjacke, Zahnlücke und leicht zerzauste Haare, dazu einen Wust an Zetteln in der Hand. Derart ausgestattet dürfte er jedem schon begegnet sein – gestatten: ALFONS, französischer Reporter in Diensten des deutschen Fernsehens, aktuell zu sehen in “Puschel TV” (ARD) und “ALFONS & Gäste” (ARD).

Foto: Guido Werner

Doch ALFONS ist nicht nur im TV unterwegs, sondern auch live zu erleben – nein, nicht mit einer seiner gefürchteten Umfragen auf dem Wochenmarkt, sondern ganz “normal”, auf der Theaterbühne:

Am 10. Mai gastiert ALFONS mit seinem Programm “Mein Deutschland” in Schleswig im Heimat-Raum für Unterhaltung um 16 Uhr.

ALFONS Mein Deutschland
Es ist der Titel von ALFONS‘ Programm, aber es ist auch eine Aussage. Eine durchaus persönliche. Und vor allem eine, die eigentlich völlig undenkbar war, damals, als alles begann:
„Deutschland war für junge Franzosen nicht gerade das Ziel der Träume“, erinnert sich ALFONS, „vorsichtig ausgedrückt! ,Ich will nach Amerika‘ – klar. ,Ich gehe nach Sibirien‘ – interessant! Aber: ,Ich gehe nach Deutschland‘ – ein Fall für den Psychiater! ,Was willst Du bei ,Les Bosch‘?!‘, das war der Spitzname für die Deutschen. ,Bosch‘, wie der Kühlschrank – nicht sehr charmant, aber effizient“, erzählt „der Deutschen liebster Franzose“ (FAZ) über die Prägung in seiner Jugend.

„Doch neulich ist etwas passiert: Es kam der Tag, an dem ich die Hälfte meines Lebens in Deutschland verbracht hatte. Und an diesem Tag habe ich festgestellt, dass sich meine Realität im Vergleich zu damals völlig verändert hat. Ich war total überascht und habe gleich meine Freunde in Frankreich angerufen: ,Wisst Ihr was? Ich glaube, ich bin eingedeutscht!‘ – keiner hat wirklich verstanden, was das ist, aber alle haben gehofft, es ist nichts Ansteckendes. Keine Sorge, aber ein komisches Gefühl war das schon: Es ist nicht mehr nur das Land der Kühlschränke, es ist längst auch ,mein Deutschland‘ geworden.“

Aus dieser Realität hat der Reporter mit Puschelmikro und Trainingsjacke ein Bühnenprogramm gemacht – und es genau so betitelt: „Mein Deutschland“. In einer kurzweiligen Mélange aus Kabarett, Theaterabend und poetischen Momenten widmet sich ALFONS augenzwinkernd der aktuellen Nachrichtenlage, genauso wie kleinen Fundstücken aus dem Alltag seiner Wahlheimat.

Und natürlich bringt er eine Auswahl seiner besten Filme auf die Leinwand, seine berühmtberüchtigten Reportagen aus dem Land der Dichter und Denker, Kleingärtner und Hinterwäldler, immer auf der Suche nach dem wahren Wesen der Deutschen. Denn genau das hat es ihm angetan: „Meinen Freunden habe ich damals gesagt: ,Keine Sorge, ich bleibe nur so lange, bis ich die Deutschen verstanden habe.‘ – Alors, ich bin immer noch hier.“

Die Erkenntnis, dass Deutschland anders ist, ereilte ALFONS bereits kurz nach seiner ersten Ankunft im Nachbarland: „Es war ein Schock! Eigentlich ist es nicht weit weg, und eigentlich sieht alles ähnlich aus, aber wenn man ankommt, fühlt man sich trotzdem wie ein Außerirdischer bei der Landung.“ Und diese Außen-Perspektive schärft den Blick für spezielle Eigenheiten: „Zum Beispiel die deutsche Effizienz! Das fängt schon am Telefon an: Hier meldet man sich immer mit Namen, in Frankreich dagegen spricht man erstmal über Gott und die Welt. Nach drei Minuten weiß man dann zwar vielleicht immer noch nicht, wen man da am anderen Ende hatte – aber dafür war es nett!“

Die Umgangsformen sind gewöhnungsbedürftig, genauso wie die typisch deutsche Regelungswut: „Verkehrszeichen haben in Frankreich eher dekorative Funktion, Ampeln sind ein Vorschlag – das ist schon eine gewaltige Umstellung. Wenn ich einem Franzosen die Deutschen erklären soll, erzähle ich am liebsten von diesem gelben Rechteck auf den Bahnsteigen: der ,Raucherzone‘! Es ist ja nicht so, dass wir uns in Frankreich nicht auch manchmal solche unsinnigen Dinge ausdenken
würden. Aber bei uns hält sich niemand dran.“

Und so hat sich ALFONS jede Menge Notizen, Aufnahmen und Gedanken gemacht, die er mit entwaffnender Liebenswürdigkeit auf die Bühne bringt. „Mein Deutschland“ hält den Deutschen den Spiegel vor – obwohl das gar nicht der Beweggrund, sondern eher der angenehme Nebeneffekt von ALFONS‘ Schaffen ist:
„Es amüsiert mich sehr, Euch zu ertappen. Euch ein wenig zu kitzeln, mit Dingen, über die Ihr Euch vielleicht ein wenig ärgert, die ich aber gar nicht so schlimm finde. Eigentlich ist ,Mein Deutschland‘ eine Umarmung: Wir haben uns über Generationen die Köpfe eingeschlagen – jetzt, wo wir Freunde sind, sollten wir über die Unterschiede lachen können!“

Die echten und die vermeintlichen Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich, diesen fernen und doch so nahen Nachbarn – vielleicht sind sie gar nicht mehr so groß. Für sich persönlich hat ALFONS sie zumindest längst überwunden: Als ein entsprechender Brief von Hamburgs erstem Bürgermeister Olaf Scholz in seinen Briefkasten flatterte, spielte er ernsthaft mit dem Gedanken, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. Doch während er noch überlegte, fiel die
Einbürgerungsofferte einem Küchenbrand zum Opfer, verursacht durch einen defekten Kühlschrank. „War wohl nix, dann bleibe ich eben erstmal Franzose“, kommentiert er lakonisch.
„Und übrigens: Der Kühlschrank – das war ein Bosch.“

PM: Küster com