Sonderausstellung „Weihnachtsschmuck und Modelleisenbahn aus alter Zeit“ im Kreismuseum in Ratzeburg

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(CIS-intern) – Das Kreismuseum Herzogtum Lauenburg im Herrenhaus in Ratzeburg zeigt wie in jedem Jahr im Dezember wieder die beliebte und mittlerweilen traditionelle Sonderausstellung „Weihnachtsschmuck und Modelleisenbahn aus alter Zeit“, die auch diesmal mehr als 320 wertvolle und seltene Objekte präsentiert. Jahr für Jahr lockt sie mehr als tausend Besucher ins Kreismuseum. An den Tagen des Ratzeburger Insel-Advents, dem 6. und 7.12., ist der Eintritt ins Museum und die Ausstellung sogar frei.

Diesmal dürften die Exponate aus der Zeit des 1. Weltkrieges besonderes Interesse finden, da sich in diesem Jahr dessen Beginn zum hundertsten Male jährte. Besonders skurril mutet uns heute patriotischer Christbaumschmuck aus der Zeit des Kaiserreiches an: Christbaumkugeln mit dem Bildnis von Kaiser Wilhelm II., der – auch zur moralischen Unterstützung seiner Kriegspläne – Weihnachten zur urdeutschen Angelegenheit gemacht hatte. Glas-Zeppeline, sogar silberne Granaten, Panzer oder uniformierte Soldaten waren als Schmuck am Weihnachtsbaum ebenso beliebt wie Marine-Schiffe aus Watte oder Glocken mit dem „Eisernen Kreuz“ und der deutschen Flagge. Weihnachtskarten propagierten eine „Treudeutsche Weihnacht“ und kleine, künstliche Weihnachtsbäume gab es fertig verpackt zum Versand an die Soldaten im Felde.

Foto: Kreismuseum Ratzeburg

Natürlich kommt auch die traditionelle Weihnacht nicht zu kurz: Stilvoll, im wunderschön stuckierten, Speisesaal und neu restaurierten Gartensaal des Museums, sind vier Weihnachtsbäume mit Schmuck vom Ende des 19. und vom Anfang des 20. Jahrhunderts zu sehen. Neben dem ausschließlich silbern und weiß geschmückten Jugendstil-Baum ist ein wunderschöner Weihnachtsbaum, der nur mit vielen Glasvögeln aus der Zeit um 1900-20 geschmückt ist, besonders sehenswert. Ungewöhnlich sind weitere drei kleine Weihnachtsbäume aus gefärbten Gänsefedern, die im Krieg in Lazaretten oder auf Schiffen Verwendung fanden. Ergänzt werden die Bäume durch einen weihnachtlichen Gabentisch für Kinder, wie es ihn damals in großbürgerlichen Häusern gab.

Besonderes Interesse kommt einer kulturgeschichtlichen Attraktion zu – der „frühesten Weihnachtskarte der Welt“, die um 1799 entstand. Die Titelseite unseres 1819 verschickten Blattes zeigt die Verkündigung an den Hirten sowie die Geburt Christi in Kupferstichen von Thomas Albrecht Pingeling aus Hamburg.

Die Ausstellung zeigt aber vor allem einen Querschnitt der schönsten Christbaumschmuck-Stücke aus der Zeit um 1900. Viele stilvolle und ungewöhnliche Objekte gibt es zu bewundern, etwa Kerzen aus Porzellan, die mit Petroleum befeuert werden konnten oder einen wertvollen „Candy Container“ in Form eines Mondes, in dem zum Fest Süßigkeiten aufbewahrt wurden.

Eine wertvolle Seltenheit ist eine 19teilige Schäferszene der Zeit um 1880 aus Tragant, einer essbaren Masse aus Mehl, Wasser und Gummi. Besonders beliebt waren auch „Leonische Drähte“, welche die Kugeln oder Formteile umspinnen, bunte Papier-Oblaten, die auf Lebkuchen oder Wattefiguren geklebt oder an den Baum gehängt wurden, prächtige „Kometen-Sterne“ aus fein gesponnenen Glasfäden oder dickwandige „Biedermeier-Kugeln“, die ältesten Vorläufer der formgeblasenen Christbaumkugeln. Ein besonderes schönes Stück ist ein gläserner, bemalter Engelskopf mit eingesetzten Augen. Häufig hatten die „Schmuckstücke“ aber auch nur geringen weihnachtlichen Bezug wie Schnuller, Schirme, Autos, Tiere oder Pflanzen.

Kerzenhalter zeigen sinnreiche Erfindungen, wie z. B. schwere Bleigewichte an einem Pendel, welche die Kerzen stets senkrecht halten oder 45 cm lange Kerzenhalter, die am Stamm befestigt wurden. Weiterhin sind schöne alte Weihnachtsgrußkarten zu sehen, Gablonzer Glasperlenschmuck und gläserner Baumschmuck aus Lauscha – sowie alte Werkzeuge, mit denen die Kugeln in Form gebracht wurden.

Großes Besucherinteresse erzielt auch die Ausweitung der Präsentation auf die Zeit des Zweiten Weltkrieges, die von besonderem historischem Wert ist: So wie der Christbaumschmuck im Kaiserreich für politische Propaganda benutzt wurde, missbrauchte man ihn auch im „Dritten Reich“. Gleichzeitig sollten christliche Inhalte und Motive zurückgedrängt werden. 1930 wurde eine Serie von „Jul-Kugeln“ mit germanischen Runen herausgebracht, die an das heidnische Jul-Fest anknüpfen sollten. Da solche Objekte nach dem Krieg meist vernichtet wurden, sind sie heute besonders selten.

Von 1935 – 44 wurden bei Straßensammlungen des Winterhilfswerkes über 328 Millionen (!) bunter Holz- und Keramikfigürchen verkauft, die als Christbaumschmuck Verwendung fanden. Ebenso wurden kleine nationalsozialistische Propaganda-Büchlein vertrieben, die gleichfalls an den Weihnachtsbaum gehängt wurden und als Christbaumschmuck-Ersatz dienten, da 1943 die Herstellung von gläsernem Christbaumschmuck verboten wurde – man brauchte das Material und die Arbeitskräfte für die Rüstungsindustrie.

Als besondere Attraktion zeigen wir eine große Modelleisenbahnanlage (mit Uhrwerk- bzw. Elektro-Lokomotivantrieb) der Spur 0, fast ausschließlich mit „Märklin”-Artikeln aus der Epoche 1910-1925. Während viele Eisenbahnanlagen, die zur Adventszeit vorgeführt werden, aus späterer Zeit stammen, ist die des Kreismuseums von ganz besonderem historischem Reiz.

Gezeigt werden Gleise und farbenfrohe Züge zusammen mit authentischem Zubehör (Kran, Fußgängerbrücke, Läutewerkhäuschen, Tunnel usw.) in der kurz nach 1900 sehr beliebten sogenannten „Spur Null“. In diesem Abbildungs-Maßstab (1:45) wird jeweils ein Meter des Vorbilds auf 2,2cm im Modell verkleinert. Für die Besucher bedeutet das die gelungene Verbindung einer guten Sicht auf relativ großes Schienenmaterial mit interessanter Streckenführung. Die Besucher können sich auf spannende Zugfahrten (in diesem Jahr erstmals auch im Mehrzugbetrieb mit Uhrwerk- bzw. Elektro-Lokomotivantrieb freuen). Das teilweise bereits antike Spielgut stammt hauptsächlich von der Traditionsfirma „Märklin“. Die Eisenbahn-Anlage wird an den Tagen des „Insel-Advents“ zu jeder vollen Stunde in Betrieb genommen werden.

Eines der spannendsten Fahrzeuge ist dabei sicherlich ein silberfarbener Eisenbahntriebwagen, der von Franz Kruckenberg 1929 konstruiert wurde und unter dem Namen „Schienenzeppelin“ große Bekanntheit erlangte. Der Antrieb erfolgte ähnlich der Antriebsgondel eines Zeppelins durch einen am Heck befindlichen Flugzeugpropeller aus Eschenholz und einem 12-Zylinder-Flugmotor mit einer Leistung von 600 PS. Die Antriebswelle war um 7 Grad nach oben geneigt, um das Fahrzeug fester auf die Schienen zu drücken. Am 10. Mai 1931 durchbrach der Wagen zwischen Plockhorst und Lehrte erstmals die 200-km/h-Marke.

Die Ausstellung ist vom 1.12. bis zum 30. Dezember täglich, außer montags, von 10-13 und 14-17 Uhr zu sehen (am 24., 25., 26. und 31.Dezember ist geschlossen). Einen Vorgeschmack finden Sie auf unserer reich bebilderten Internet-Seite www.kmrz.de unter „Ausstellungen“.

PM: Kreismuseen Ratzeburg

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