
(CIS-intern) – Puttgarden/Rødbyhavn, 23. Februar 2026 – Wer heute am Strand von Puttgarden auf Fehmarn steht, blickt nicht mehr nur auf die Weite der Ostsee. Am Horizont und direkt vor der Haustür nimmt eines der größten Infrastrukturprojekte Europas immer deutlichere Formen an. Während der Bau des 18 Kilometer langen Absenktunnels zwischen Deutschland und Dänemark in seine heiße Phase geht, bereitet sich die Region auf den „Sichtbarkeits-Check“ des Jahres vor.
Der Stand der Dinge: Zwei Länder, ein Ziel
Deutsche Seite (Fehmarn/Puttgarden)
Auf der deutschen Seite liegt der Fokus derzeit auf dem Tunnelportal. Die Arbeiten in der riesigen, offenen Baugrube bei Puttgarden sind weit fortgeschritten:
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Rohbau fast fertig: Über 80 % des deutschen Tunnelportals sind bereits betoniert. In diesen Tagen werden die letzten der insgesamt 30 Segmente des rund 600 Meter langen landseitigen Abschnitts fertiggestellt.
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Lichtübergangszone: Ein besonderes Detail für Autofahrer wird derzeit sichtbar: Die ersten 150 Meter der Tunneleinfahrt erhalten spezielle Aussparungen in der Decke. Diese sorgen später für einen fließenden Übergang vom hellen Tageslicht in die Tunnelbeleuchtung – ein wichtiger Sicherheitsaspekt gegen Blendung.
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Hinterlandanbindung: Parallel wird an der Brücke für die künftige Autobahn E47 gearbeitet. Wer Richtung Fährhafen fährt, sieht die massiven Erddämme, die bereits die künftige Trassenführung markieren.
Dänische Seite (Lolland/Rødbyhavn)
Dänemark fungiert weiterhin als „Motor“ des Projekts. In der gigantischen Tunnelfabrik in Rødbyhavn herrscht Hochbetrieb:
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Serienfertigung: Die Produktion der 89 massiven Tunnelelemente läuft wie am Fließband. Ein Großteil der Elemente für den ersten Bauabschnitt ist bereits fertiggestellt und wartet im Flutbecken auf den Einsatz.
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Spektakulärer Neuzugang: Erst vor wenigen Wochen, Ende Januar 2026, traf das neue Spezialschiff „Hebo Lift 9“, ein gewaltiger Schwimmkran, im Arbeitshafen ein. Es verstärkt die Flotte für die kommenden Absenkarbeiten.
Der nächste große Schritt: Das erste Element sinkt
Das wohl spannendste Ereignis für die Öffentlichkeit steht unmittelbar bevor: Im Frühjahr 2026 soll das erste offizielle Tunnelelement im Fehmarnbelt abgesenkt werden.
„Dies wird der sichtbarste Meilenstein seit Baubeginn sein“, so die Projektplaner von Femern A/S.
Nachdem der Tunnelgraben am Meeresgrund von Spezialbaggern auf Zentimetergenauigkeit vorbereitet wurde, wird das erste Betonelement kontrolliert auf den Grund der Ostsee gelassen – der Moment, in dem der Tunnel offiziell zum Unterwasserbauwerk wird.

Der Fehmarnbelttunnel: Zahlen, Daten, Fakten
***Mit der verbrauchten Menge an Beton könnte man einen Radweg von Hamburg bis nach Rom bauen!
Termine & Besichtigungen: Die Baustelle erleben
Für Technikinteressierte und Urlauber gibt es im Frühjahr 2026 zahlreiche Möglichkeiten, sich selbst ein Bild zu machen:
Ein Besuch der Baustellen ist ein beeindruckendes Erlebnis, erfordert aber ein wenig Planung, da sich die Schwerpunkte (Puttgarden vs. Rødbyhavn) deutlich unterscheiden.
1. Standort Deutschland: Infocenter Burg & Aussichtspunkt Puttgarden
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Infocenter in Burg (Fehmarn): Starten Sie hier, um das Modell des Tunnels zu sehen.
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Adresse: Ohrtstraße 40, 23769 Fehmarn.
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Barrierefreiheit: Das Center ist ebenerdig und für Rollstuhlfahrer sowie Kinderwagen gut zugänglich.
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Parken: Nutzen Sie die öffentlichen Parkplätze im Zentrum von Burg (Kurzzeitparkzone beachten).
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Was: Kostenlose 30-minütige Führungen durch die Ausstellung.
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Wann: Jeden Dienstag und Donnerstag, jeweils um 11:00 Uhr (z.B. am morgigen 24.02. oder am 26.02.2026). Eine Anmeldung ist meist nicht erforderlich.
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Aussichtsplattform: Die Aussichtsterrasse bei Puttgarden ist rund um die Uhr zugänglich und bietet einen direkten Blick auf das deutsche Tunnelportal.
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Aussichtsplattform Puttgarden:
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Anfahrt: Folgen Sie der Beschilderung Richtung Fährhafen, halten Sie sich aber vor den Mautstationen rechts Richtung „Marienleuchte“.
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Parken: Ein kleiner, ausgewiesener Besucherparkplatz befindet sich direkt am Deichaufgang.
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Tipp: Bringen Sie ein Fernglas mit! Vom Deich aus kann man die massiven Spundwände des deutschen Portals und die Baggerflotte auf der Ostsee am besten beobachten.
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2. Standort Dänemark: Die Tunnelfabrik in Rødbyhavn
Wer die gigantische Tunnelfabrik (die größte der Welt!) sehen will, sollte die Fähre nutzen.
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Infocenter Rødbyhavn: Havnegade 2, 4970 Rødby.
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Das Highlight: Die neue, 217 Meter lange Besucherplattform. Sie bietet einen spektakulären Panoramablick direkt auf die Produktionshallen der Tunnelelemente.
- Hier lohnt sich der Blick von der neuen, über 200 Meter langen Besucherplattform, von der aus man die Tunnelfabrik und das dänische Portal überblicken kann.
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Sprache: Die Ausstellungen in Dänemark sind komplett zweisprachig (Dänisch/Deutsch) gestaltet.
3. Wichtige Hinweise für einen Besuch
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Kleidung: Da die Aussichtspunkte direkt an der Küste liegen, ist wind- und wetterfeste Kleidung („Zwiebelprinzip“) oft notwendig. Der Wind am Fehmarnbelt kann auch bei Sonnenschein sehr schneidend sein.
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Verpflegung: In Puttgarden gibt es direkt an der Plattform keine Gastronomie. In Burg oder im Fährhafen finden Sie jedoch zahlreiche Cafés.
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Fotografieren: Private Fotos sind von den Plattformen aus ausdrücklich erlaubt und erwünscht! Drohnenflüge sind jedoch im gesamten Baustellenbereich streng untersagt (Flugverbotszone wegen Hubschrauberverkehr und Hafennähe).
Fazit & Ausblick
Trotz kleinerer Verzögerungen bei einzelnen Ausschreibungen im Schienensektor bleibt das Ziel fest im Blick. Auch wenn die vollständige Eröffnung mittlerweile für 2031 anvisiert wird, ist der Fortschritt im Februar 2026 unübersehbar. Das Projekt wandelt sich von einer Landbaustelle zu einem echten maritimen Bauwunder.
Faktencheck: Fehmarnbelttunnel – Mythos vs. Wahrheit
Rund um den Tunnel halten sich hartnäckig einige Gerüchte. Wir haben die wichtigsten Punkte für Sie auf den Prüfstand gestellt:
Ein kurzer Blick auf den Umweltschutz (Februar 2026)
Ein aktuelles Highlight im Bereich Ökologie: Die im Rahmen des Baus entstandenen neuen Landflächen vor Lolland entwickeln sich bereits zu einem wertvollen Naturreservat. Hier entstehen Lagunen und Wandergebiete, die schon jetzt von Zugvögeln als Rastplatz genutzt werden – ein positiver Nebeneffekt der Bodenaufschüttungen.


