(CIS-intern) – Auf der 5. Dithmarscher Wohnraumkonferenz „Die Zukunft des Wohnens“ am 11. Mai 2026 im mariCUBE in Büsum diskutierten über 90 Vertreterinnen und Vertreter aus den Kommunen, der Verwaltung, der Wohnungswirtschaft und der Politik über die zukünftige Wohnraumentwicklung im Kreis. Im Mittelpunkt standen u. a. die Ergebnisse des Regionalen Entwicklungskonzepts (REK) Dithmarschen 2030 mit dem Schwerpunkt Wohnen sowie der kleinräumigen Bevölkerungsprognose. Beide Studien belegen, dass Dithmarschen zukünftig mehr und passgenaueren Wohnraum benötigt aufgrund des demografischen Wandels und der wirtschaftlichen Entwicklung. Auch wurde der „Bau-Turbo“ thematisiert.
„Das Regionale Entwicklungskonzept und die kleinräumige Bevölkerungsprognose bieten eine hervorragende Grundlage für ein auch in Zukunft lebenswertes und wirtschaftlich starkes Dithmarschen. Dafür danke ich sehr allen Beteiligten für die ausgezeichnete Arbeit“, so Landrat Thorben Schütt. Aber Wohnraum entstehe nicht durch Prognosen allein: „Die kommenden Jahre werden entscheidend für die Entwicklung unserer Region sein. Die Zeit, die wir jetzt haben, müssen wir nutzen, um Dithmarschen weiter auf den Wandel vorzubereiten. Dabei werden sich auch die Anforderungen an das Wohnen weiter verändern.“
Denn neue Fachkräfte werden in die Region ziehen, gleichzeitig verändern sich die Bedarfe der Menschen, die bereits hier leben. Der demografische Wandel und eine älter werdende Bevölkerung werden den Kreis weiterhin beschäftigen. „Wohnraumentwicklung bedeutet deshalb nicht nur mehr, sondern auch vielfältigeren und passenderen Wohnraum“, hob Schütt hervor.
Vorträge und Podiumsdiskussion
Im Rahmen der Veranstaltung wurde die kleinräumige Bevölkerungsprognose für Dithmarschen bis 2040 vorgestellt. Martin Albrecht von der Gertz Gutsche Rümenapp – Stadtentwicklung und Mobilität GbR erläuterte dabei die erwartete demografische Entwicklung im Kreisgebiet.
Außerdem wurden Wohnraumbedarfe, Infrastrukturfolgen sowie daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen im Kontext des Regionalen Entwicklungskonzepts Dithmarschen 2030 – Wohnen dargestellt. Fabian Maaß vom GEWOS Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung GmbH präsentierte Analysen und strategische Ansätze zur zukünftigen Wohnraumentwicklung.
Ergänzend wurden aktuelle Entwicklungen des Dithmarscher Wohnungsmarktes im Rahmen des Wohnmonitorings durch den Kreis Dithmarschen aufgezeigt. Marie Genuit, Kreis Dithmarschen, stellte hierzu die wichtigsten Ergebnisse und Trends vor.
Abschließend wurden unter dem Titel „Wohnwelten Schleswig-Holstein 2042“ Szenarien für eine nachhaltige und sozial ausgewogene Entwicklung des Wohnens in Schleswig-Holstein präsentiert. Dr. Thies Rasmus Popp von der Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein (EKSH) skizzierte dabei langfristige Perspektiven für das Wohnen im Land.
Der zweite Teil der Veranstaltung widmete sich dem „Bau-Turbo“. Ziel des „Bau-Turbos“ ist es, den dringend benötigten Wohnraum in Deutschland deutlich schneller bereitzustellen. Dabei behalten die Gemeinden ihre Planungshoheit, können aber in stärkerem Maße auf aufwendige Bauleitplanverfahren verzichten, um Wohnbauprojekte schneller zu ermöglichen. Nach einem Input von Claudia Riemenschneider vom Referat IV 52 Städtebau und Ortsplanung im Ministerium für Inneres, Kommunales, Wohnen und Sport des Landes Schleswig-Holstein ging es in der abschließenden Podiumsdiskussion um die Frage: „Wie kann der Bau-Turbo bei der Dithmarscher Wohnraumentwicklung helfen?“. An der Runde nahmen teil Anja Händler, Fachdienst Bau, Naturschutz, Regionalentwicklung des Kreis Dithmarschens, Uta Bielfeldt, Bürgermeisterin der Stadt Meldorf, Max Uwe Johannsen, Geschäftsführer der Zimmerei Johannsen Ehlers GmbH, Obermeister der Dithmarscher Bau-Innung und Vorsitzender des Baugewerbeverbands Schleswig-Holstein, Claudia Riemenschneider aus dem Innenministerium und Andreas Wojta, Fachbereich 3 Bau und Planung der Stadt Heide.
Lisa Boll, Projektkoordinatorin im Sachgebiet Regionalentwicklung, zieht folgendes Fazit: „Viele Kommunen haben sich bereits auf den Weg gemacht bei der Wohnraumentwicklung und einige nutzen auch das Instrument des Bau-Turbos. Es wurde in der Diskussion aber nochmal deutlich, dass der Bau-Turbo kein Allheilmittel ist und sich jede Kommune vorher genau überlegen sollte, wann der Bau-Turbo anzuwenden ist und wann doch eine Bauleitplanung sinnvoller ist, um am Ende nicht mit einer unerwünschten Entwicklung da zu stehen. Die Festlegung von Bauleitlinien kann dabei helfen.“
Regionales Entwicklungskonzept (REK) Dithmarschen 2030 mit dem Schwerpunkt Wohnen
Das Regionale Entwicklungskonzept (REK) Dithmarschen 2030 mit dem Schwerpunkt Wohnen wurde vom GEWOS Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung GmbH gemeinsam mit Kommunen, Wohnungswirtschaft und weiteren Fachakteuren erarbeitet und enthält konkrete Handlungsempfehlungen für die Wohnraumentwicklung bis 2030 und darüber hinaus. Ziel ist es, den steigenden Bedarf an Wohnraum strategisch zu steuern und die Kommunen bei einer nachhaltigen Entwicklung zu unterstützen.
Das REK zeigt, dass Dithmarschen bis 2040 mehr passgenauen Wohnraum benötigt. Besonders wächst der Bedarf an Mietwohnungen in Mehrfamilienhäusern. Gleichzeitig besteht eine große Nachfrage nach bezahlbaren, barrierearmen und energieeffizienten Wohnungen. Der bestehende Wohnungsmarkt ist stark von Ein- und Zweifamilienhäusern geprägt, während geförderter Wohnraum knapp ist und Mieten zuletzt deutlich gestiegen sind.
Je nach Entwicklung der Zuwanderung rechnet das Konzept mit rund 6.100 zusätzlich benötigten Wohnungen bis 2040. Auch soziale und technische Infrastruktur wie Pflege, medizinische Versorgung, Kitas und Schulen müssen entsprechend weiterentwickelt werden.
Das REK enthält konkrete Handlungsempfehlungen für Neubau, Bestandsmodernisierung, Flächenentwicklung und Infrastrukturplanung. Mit dem Wohnmonitoring können Städte, Ämter und Gemeinden die Wohnraumentwicklung künftig strategisch begleiten und Entscheidungen leichter an den tatsächlichen Bedarfen ausrichten. Es ist dabei in das vom Land bereitgestellte Flächenmanagementkataster integriert.
Weitere Informationen sowie das Regionale Entwicklungskonzept Dithmarschen stehen auf der Internetseite des Kreises Dithmarschen unter: Kreis Dithmarschen – Wohnen.
Bildunterschrift:
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 5. Wohnraumkonferenz (v.l.n.r.): Fabian Maaß (GEWOS Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung GmbH), Stefan Postert (Moderation), Claudia Riemenschneider (Referat IV 52 Städtebau und Ortsplanung im Ministerium für Inneres, Kommunales, Wohnen und Sport des Landes Schleswig-Holstein,), Dr. Thies Rasmus Popp (Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein), Uta Bielfeldt (Bürgermeisterin der Stadt Meldorf), Anja Händler (Kreis Dithmarschen), Landrat Thorben Schütt, Martin Albrecht (Gertz Gutsche Rümenapp – Stadtentwicklung und Mobilität GbR), Max Uwe Johannsen (Zimmerei Johannsen Ehlers GmbH, Obermeister Dithmarscher Bau- Innung und Vorsitzender des Baugewerbeverbandes Schleswig- Holstein), Lisa Boll (Kreis Dithmarschen), Andreas Wojta (Fachbereich 3 Bau und Planung, Stadt Heide) und Marie Genuit (Kreis Dithmarschen).
Foto: Kreis Dithmarschen




