Wie geht es weiter mit dem Eutiner „Haus des Gastes“?

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Foto: Christa Maria Hillebrand (CIS-intern) – Von Hosrt Schinzel In den Sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts träumten die Tourismusorte von einer Verlängerung der Saison auf wenigstens acht Monate. Dem sollten zu einem Hallenbäder dienen. Von den damals überall gebauten Bädern sind etliche in den letzten drei Jahrzehnten wieder geschlossen worden. Und Häuser, in denen sich die Gäste vor allem bei schlechtem Wetter aufhalten konnten, Zeitungen lesen und Fernsehen. Vor allem Letzteres, denn dass jedes Hotel- oder Gastzimmer mit einem eigenen Gerät ausgestattet war, gab es noch nicht.

Foto: Christa Maria Hillebrand

Von diesen Bedürfnissen ist nichts nachgeblieben, und aller Orten haben diese „Häuser des Gastes“ ihre Bedeutung verloren – auch in anderen Tourismusregionen. In Eutin wurde seinerzeit der örtliche Architekt Udo Stücker beauftragt, an reizvoller Stelle der Stadtbucht ein solches Gebäude zu errichten. Es fand zusammen mit der Gestaltung der Außenanlagen zur Entstehungszeit großen Anklang.

Aber die Zeiten änderten sich. Etliche Jahre war hier das örtliche Tourismusbüro untergebracht. Für das wurde der Bau mit Anbauten sinnentstellt. Zeitweilig war hier auch eine Klasse des Carl-Maria-von-Weber-Gynasiums untergebracht. Aber letztlich beschränkte sich die Nutzung über viele Jahre hinweg auf ein gern angenommenes Bistro.

Die Eigentümerin Stadt vernachlässigte lange Jahre das Objekt, das mehr und mehr verfiel. Das Grundstück wurde wie Sauerbier Möchte-Gern-Hotel-Investoren angeboten. Ein solcher ist gerade in diesen Wochen mit völlig unrealistischen Plänen aufgetreten. Gern hätte die Stadt das Areal schon vor der Landesgartenschau geräumt. Im Februar 2015 verhinderte ein Bürgerbegehren einen solchen Abriss. Der Entscheid wirkt bis zu kommenden Februar. In der Verwaltung plant man mit einem solchen Abriss, und in die Finanzplanung wurden dafür 100.000 Euro eingestellt.

Die Bürgerinitiative der Abrissgegner ist weiterhin aktiv. Gerade jetzt werden die Weichen für ein neuen Bürgerentscheid gestellt. Der soll diesmal die Verwaltung auch zwingen, das Gebäude zu sanieren und zu nutzen. Welche reizvollen Möglichkeiten es dafür gäbe, hat Architekt Udo Stücker schon vor einem Jahr an leider sehr versteckter – und daher kaum beachteter – Stelle in der Zeitschrift „Schleswig-Holstein“ vorgestellt.

Es trifft sich, dass die Bürgergemeinschaft gerade eine Studie der hier lebenden Kunsthistorikerin Karen David über das Haus des Gastes als bemerkenswerter Beitrag zur Architekturgeschichte der 1960’er Jahre heraus gegeben hat. Die Autorin stellt den Bau in den Kontext zeitgleicher Gebäude in der Region wie Bad Malente, Klingberg oder Timmendorfer Strand. Und sieht darin ein erhaltenswertes Beispiel damaliger Baukunst.

Jetzt werden also nach dem Ende der Landesgartenschau die Bürger der Stadt aufgerufen sein, über das weitere – teure – Schicksal des umstrittenen Hauses zu entscheiden.

http://haus-des-gastes-eutin.lima-city.de/