Welche Vorstellung: Hotelturm neben dem Eutiner Schloss

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(CIS-intern – von Horst Schinzel) – Seit zwanzig Jahren sucht das ostholsteinische Eutin nach einem Investor für ein Hotel gehobenen Zuschnitts. Völlig vergeblich. Dagegen sind in dieser Zeit etliche privat betriebe Hotels eingegangen. Neu eröffnet haben lediglich einige kleine Pensionen. Erst Ende vorigen Jahres ist ein Interessent für das Gelände des „Haus des Gastes“ an der Stadtbucht wieder abgesprungen Es würde sich nicht rechnen.

Foto: Birgit Winter / pixelio.de

Zu Beginn dieses Jahrtausend wurde auf Wunsch der Familie Ohlmann ein Gelände zwischen der Seniorenresidenz Wilhessmhöhe und der Malenter Landstraße als Hotelstandort ausgewiesen. Als das Baurecht feststand, bekam die Familie Ohlmann kalte Füße und gestaltete das für dieses Hotel vorgesehene Gelände zu einem attraktiven – aber leider kaum benutzten – Park um. Später erwarb die Familie das Hotel „Seeschloss“ in der Leonhardt-Boldt-Straße. Damit haben sich alle Neubaupläne eh erledigt.

Im Vorfeld der für 2016 angedachten – aber wegen Zeitmangels bis dahin kaum mehr zu verwirklichenden – Landesgartenschau feiert in Eutin wie einst schon in den Neunziger Jahren die Gutachteritis fröhliche Urständ. Damals sind für unsinnige und em Ende nutzlose Gutachten über eine Millionen Mark aus den Rathaus-Fenstern geworfen worden. Und jetzt läuft es kaum anders.

Erst ein Einzelhandelskonzept ohne im Grunde neue Erkenntnisse, jetzt ein Gutachten zu möglichen Hotelstandorten. Ein Hamburger Büro hat es geliefert. Nachdem der Standort des „Haus des Gastes“ im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes ISEK anderen Zwecken vorbehalten werden soll, preist der Gutachter – man will es kaum glauben – das abzureißende Café der Schlossterrassen als Platz für ein Hotel der gehobenen Preisklasse an. Das müsste an die siebzig Zimmer und einige Suiten aufweisen.Hinzu kämen ein Restaurant und eine entsprechende Terrasse. Da kaum Platz zur Verfügung steht, müsste entsprechen in die Höhe gebaut werden.

Welche Vorstellung! Ein Hotelturm zwanzig Meter neben dem Schloss. Die Zufahrt doch wohl über den Schlossplatz, den der Gutachter mit einer Tiefgarage unterminieren will.

Sicher wird ein solches städtebauliches Monstrum an Eutin vorüber gehen. Zum einen findet sich für die angedachten bis zu acht Millionen Euro kein Investor. Und kein Betreiber für das Hotel selbst. Denn mit einem vorgeschlagenen Zimmerpreis von 80 Euro kann man ein solches Unternehmen nicht rentabel betreiben. Vor allem würde die Denkmalpflege massive Einwände erheben. Bei dem Bebauungsplan 99 für die „Bauhöfer Koppeln“ haben wir es gesehen. Hinzu kommt, dass der Mindestabstand zum Seeufer von 50 Metern nicht eingehalten wird. Solche Pläne sind nicht genehmigungsfähig. In diesem Fall muss man sagen: Glücklichserweise!

Zu bedenken ist auch, ob er fünfzig Jahre alte Anbau an den Marstall so ohne weiteres abgerissen werden kann. Auch er steht zweifellos unter Denkmalschutz. Dass die vor einem halben Jahrhundert angelegte Aufschüttung nicht mehr standsicher sein soll, ist eine unbewiesene Behauptung. Der Hotelgutachter sieht das ja wohl ohnehin anders…