Schleswig-Holsteins Häfen rüsten für die Zukunft

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(CIS-intern – Horst Schinzel) – Zwar seien Stimmung und Konjunktur in den Häfen Schleswig-Holsteins tendenziell gut. Dennoch liege vieles im Argen, so der Vorsitzende des Gesamtverbandes Schleswig-Holsteinischer Häfen anlässlich des Ersten Hafentages des Landes in Lübeck. Die Politik habe immer noch nicht die Bedeutung des maritimen Gewerbes im Lande erkannt. Vor allem fehle es an besseren Verkehrsanbindungen.

Foto: Horst Schinzel (v.l.n.r.Schnabel, Albig, Pistol, Saxe, Conzen)

Aber auch Gelände für hafennahe Gewerbe seien knapp.
Mit einem Umschlag von 49 Millionen Tonnen liegt Schleswig-Holstein im bundesweiten Vergleich auf Platz 3. Größter Hafen im Lande ist Lübeck, wo 26 Millionen Tonnen umgeschlagen werden. Es folgen Brunsbüttel mit 10,5 Millionen Tonnen und Kiel mit 6,3 Millionen Tonnen.

Gern hätten Insbesondsere die Westküsten-Häfen Anteil am sich abzeichnenden Boom der Offshore-Fracht. Aber inzwischen ist in Niedersachsen nicht zu übersehende Konkurrenz entstanden. For den Schwerlastkai in Rendsburg fehlt es an Ladung, für eine entsprechende Aufrüstung in Brunsbüttel an Geld. In Holtenau findet sich kein Investor.

Die Landesregierung will den Stellenwert der Häfen in Schleswig-Holstein stärker hervorheben. “Unsere Zukunft im Land wird sich auch daran entscheiden, was wir aus unserem maritimen Potenzial machen”, sagte Ministerpräsident Torsten Albig beim 1. Schleswig-Holsteinischen Hafentag in Lübeck. Der Gesamtverband Schleswig-Holsteinischer Häfen hatte Vertreter aus Politik, maritimer Logistik und Hafenwirtschaft zum Hafentag eingeladen.

Der Regierungschef ging in seinem Grußwort auf die große wirtschaftliche Bedeutung der Hafenwirtschaft ein. “50 Millionen Tonnen Ladung und 15 Millionen Passagiere in 2011 machen Schleswig-Holstein zum drittgrößten deutschen Hafenstandort”, sagte er. Weil die Häfen von so enormer wirtschaftlicher Bedeutung seien, nehme die Landesregierung seit Jahren viel Geld in die Hand, um die Häfen im Wettbewerb zu stützen. Allein in den vergangenen fünf Jahren habe Schleswig-Holstein knapp 40 Millionen Euro in seine Häfen investiert. Albig kündigte an, den Ausbau der Hafeninfrastruktur in Lübeck-Travemünde und in Brunsbüttel zu fördern. Besonders an der Westküste gebe es großes Potenzial für die Offshore-Windindustrie.

Die maritimen Stärken des Landes sollen in den kommenden Monaten weiter vorangebracht werden. Im November erscheint das neue Hafenentwicklungskonzept, das die Landesregierung und der Gesamtverband der Häfen in Auftrag gegeben hatten. Der Ministerpräsident verspricht sich davon auch Ideen, wie Schleswig-Holstein als kompetente Seehafenregion besser vermarktet werden könne. Im April findet mit der nationalen maritimen Konferenz das Gipfeltreffen der maritimen Wirtschaft in Kiel statt

Während die Hafenwirtschaft noch verhältnismäßig zufrieden ist, seht es bei den Werfen und Ausrüstungsbetrieben ausgesprochen schlecht aus. Der hochspekulative Auftragsboom bis 2008 und die schwächende Weltwirtschaftskonjunktur haben zu erheblichen Überkapazitäten in allen Massensegmenten der Schifffahrt geführt. Die daraus resultierende niedrige Neubestellung von Schiffen wird für Werften auf allen Kontinenten zur Überlebensfrage. Wie selten zuvor waren sich die Topmanager aus Japan, Europa, China, Korea und den USA auf ihrem jährlichen Werftentreffen in diesem Punkt einig.

Die weltweite Schiffbauproduktion könnte in diesem Jahr erstmals überhaupt die Marke von 60 Millionen cgt übersteigen. Dabei werden die Neubauaufträge dieses Jahr wohl nur eine Größenordnung von ca. 20 Millionen cgt erreichen. Der durchschnittliche jährliche Bedarf an Neutonnage bis 2025 wird auf etwa 35 Millionen cgt geschätzt.

Entlastung bietet den Werften zum Teil das Offshore-Geschäft sowie die Hoffnung, dass deutlich energieeffizientere Schiffdesigns beschleunigte Ersatzinvestitionen auslösen. Kraftstoffe machen bis zu 70% der Betriebskosten von Reedereien aus. Einsparungen von einem Drittel sind durch optimierte Designs durchaus erreichbar. Bei dem gegenwärtigen Überangebot an Schiffsraum und den niedrigen Frachtraten sind Kraftstoffkosten inzwischen der entscheidende Faktor für einen kostendeckenden Schiffsbetrieb.

In der Abschlusserklärung sprachen sich die Werften für eine aktive Zusammenarbeit in der maritimen Industrie aus, um gemeinsame Lösungen für die strukturellen Probleme zu erarbeiten.