Rezension: Wie Theodor Fontane den Norden erlebte

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(CIS-intern) – Von Horst Schinzel Der Journalist, Lyriker und Feuilletonist Theodor Fontane (1819 – 1898) ist heute weitgehend vergessen. Gerade einmal seine „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ werden – meist aus touristischen Gründen – noch gelegentlich zitiert. Besonders vergessen ist, dass der Kriegsberichterstatter Fontane überaus kundig über die Schlachtfelder der schleswig-holsteinischen Kriege zur Mitte des 19. Jahrhunderts geschrieben hat.

Berichte, die die Grundlage des hier anzuzeigenden Buches waren Während und nach dem 2. Schleswigschen Krieg 1864 hat Fontane Jütland und Seeland bereist und darüber in verschiedenen Tageszeitungen kundig berichtet. Diese Artikel hat er gesammelt für ein künftiges Buch über Skandinavien. Dazu ist er freilich nie gekommen. Die schön eingebundene Artikel-Sammlung war Teil seines Nachlasses. Über eine Veröffentlichung hat der Sohn Friedrich nachgedacht, ohne dass es dazu gekommen wäre. Grundsätzlich sind die jetzt in Buchform vorliegenden Beiträge nicht neu, sondern sind schon zu Lebzeiten Fontanes an verschiedensten Stellen veröffentlicht worden.

Der Herausgeber Christian Andree hat dieses Manuskript – wie viele andere – 1964 antiquarisch erworben. Seine umfangreiche Fontane-Sammlung befindet sich heute im Besitz des Fontane-Archivs Potsdam. Das vorliegende „Mein skandinavisches Buch“ war bereits 2004 zur Veröffentlichung vorgesehen. Trotz eines schon damals in Aussicht gestellten Druckkostenzuschusses der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein ist es erst im Herbst 2015 zur Veröffentlichung gekommen.

Fontane hat Kopenhagen und Roskilde während des Waffenstillstandes nach dem Sieg bei Düppel und der Eroberung Alsens besucht. Verständlicherweise waren dort zu dieser Zeit Deutsche nicht sehr willkommen und die Neigung, Deutsch zu sprechen, nicht sehr groß. Das mag zu der sehr distanzierten Meinung des Schriftstellers über die Dänen beigetragen haben. Auffallend ist, dass er für die Menschen in Jütland, das er danach besucht hat, sehr viel wärmere Gefühle entwickelt hat. Wertvoll ist auf jeden Fall, dass er den Ist-Zustand sowohl Kopenhagens und Roskildes wie der Region Jütlands bis zum Limfjord als Zeitbilder schildert.

Theodor Fontane, Mein Skandinavisches Buch – Reisen durch Dänemark, Jütland und Schleswig, Wiederentdeckt von Christian Andree, Hildesheim 2015, Georg Olms-Verlag