Lübeck dokumentiert das Verhältnis Thomas Manns zur bildenden Kunst

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(CIS-intern) – Von Horst Schinzel Diese Doppelausstellung in den Lübecker Museen Behnhaus / Drägerhaus und Buddenbrookhaus verdient die Aufmerksamkeit sowohl des literatur- wie des Kunstfreundes. Wohl zum ersten Mal wird das Verhältnis des Schriftstellers Thomas Mann zur bildenden Kunst so ausführlich dokumentiert.

Was sieht der Schriftsteller, wenn er von seinem Schreibtisch aufblickt? Die Ausstellung gibt erstmals Einblicke in die Bildwelten Thomas Manns. Das Leitmotiv „Augen auf!“ ist dabei im doppelten Sinne zu verstehen: Gemeint ist Thomas Mann, der sich der Kunst zunächst zurückhaltend, später immer selbstverständlicher nähert und sogar ausdrücklich zu Fragen der bildenden Kunst Stellung bezieht. „Augen auf!“ ist aber auch ein Appell an den Ausstellungsbesucher, dem Blick Thomas Manns folgend die Kunst der Moderne losgelöst vom gängigen Schema der Avantgarde zu

Foto: Emil Nolde: Einzug in Jerusalem, 1915, Öl auf Leinwand, Nolde Stiftung Seebüll

Die Präsentation im Behnhaus widmet sich der bildenden Kunst, gesehen mit den Augen Thomas Manns. Der Ausstellungsteil im Buddenbrookhaus nimmt die Illustrationen zu Texten Thomas Manns zum Ausgangspunkt. Hier eröffnet der Blick der Bildkünstler auf die Literatur neue Interpretationsspielräume. Um das Kaleidoskop des Mann’schen Kunstkosmos in all seiner Widersprüchlichkeit angemessen erfassen zu können, ist es sinnvoll, die Ausstellungsdramaturgie der Weltaneignung von Thomas Mann folgend in Gegensatzpaaren anzulegen. Die daraus resultierenden Pendelbewegungen schwingen zwischen Norden und Süden, Lübeck und München, Protestantismus und Katholizismus, Handel und Kunst, Gotikverehrung und Renaissancekult, Humanismus und Expressionismus hin und her. Nach dem Gang durch die beiden Lübecker Ausstellungen wird der Besucher sowohl den Schriftsteller Thomas Mann als auch die Kunst seiner Zeit mit anderen Augen sehen.

Beeindruckt haben Thomas Mann Werke verschiedener Künstler, darunter der Maler Hans Thoma, Ludwig von Hofmann, Arnold Böcklin, Max Liebermann, Max Oppenheimer, Oskar Kokoschka, Albrecht Dürer, des Holzschneiders Frans Masereel, des Fotografen Albert Renger-Patzsch oder Arbeiten der Bildhauer Fritz Behn, Hans Schwegerle und Ernst Barlach. Illustrationen seines literarischen Oeuvres etwa von Alfred Kubin, Wilhelm Schulz, Emil Preetorius, Thomas Theodor Heine oder Karl Walser provozierten ihrerseits die Stellungnahme des Schriftstellers.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Michael Imhof Verlag (29,95 EUR). Der Bildband versammelt erstmals Werke der bildenden Kunst, die mit Thomas Manns Leben, Denken und mit seinem literarischen Schaffen in Beziehung stehen. Zahlreiche Essays ergänzen das Thema aus literaturwissenschaftlicher und aus kunsthistorischer Sicht.
Augen auf! Thomas Mann und die bildende Kunst
13.9.2014 – 6.1.2015

Di-So | 10-18 Uhr
www.museum-behnhaus-draegerhaus.de
und 
Buddenbrookhaus
Mengstraße 4, 23552 Lübeck
Mo-So | 10-18 Uhr
www.buddenbrookhaus.de

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