Habeck zum Thema traditionelle Teichwirtschaft: Wir wollen diese nachhaltige Form der Fischerei stärken

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(CIS-intern) – Umwelt- und Fischereiminister Robert Habeck will die Teichwirtschaft stärken. Dazu soll mit Mitteln des Europäischen Fischereifonds im kommenden Jahr ein Programm aufgelegt werden, kündigte der Minister heute (17. November 2014) beim Besuch einer traditionellen Teichwirtschaft in Hohenlockstedt an. In der Fischzucht Knutzen wurden Holsteiner Karpfen aus einem großen Teich gefangen und in Vorbereitung des bevorstehenden Weihnachtsgeschäftes in Becken mit klarem Wasser gebracht.

„Die heimische Karpfenteichwirtschaft verbindet Aquakultur und Naturschutz auf beispielgebende Weise. Damit stehen die Teichwirte für nachhaltige Fischerei“, sagte Habeck. „Es ist allemal besser, solch nachhaltig erzeugten Fisch aus der Region zu kaufen als Fisch, der von weit her importiert werden muss und der möglicherweise unter umweltschädlichen und sozial unverantwortlichen Bedingungen gezüchtet oder gefangen wird.“ Daher wolle das Ministerium die heimische Teichwirtschaft künftig stärker unterstützen und ihnen eine Förderung für die Erhaltung der Teichlandschaften gewähren.

Foto: Ruth Rudolph / pixelio.de

Die Karpfen wachsen mit viel Platz und ohne jegliche Medikamente in den Teichen heran. Sie fressen nur natürliche Nahrung aus dem Gewässer oder werden ergänzend mit etwas Getreide gefüttert. „Quasi nebenbei erhalten die Teichwirte durch ihre Arbeit eine oft jahrhundertealte Teichlandschaft. Diese Landschaft ist längst wertvoller Lebensraum von geschützten Tieren und Pflanzen geworden und steht nicht selten unter Naturschutz. Das ist eine besondere Leistung“, sagte Habeck. Er hoffe, dass mehr Verbraucher den Karpfen wiederentdecken.

In Schleswig-Holstein widmen sich aktuell acht Haupterwerbs- und einige Nebenerwerbsbetriebe dieser traditionsreichen Aquakulturform. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes haben sie im Jahr 2013 etwa 90 Tonnen Speisekarpfen geerntet (Deutschland gesamt: ca. 5.700 Tonnen).

Die Teichwirte nutzen in Schleswig-Holstein heute noch etwas mehr als 700 Hektar Teichfläche. Dabei reichen die Anfänge der Karpfenzucht bis ins frühe Mittelalter zurück, als im 12. Jahrhundert die ersten Klöster gegründet wurden und die Mönche Teiche für ihre eigene Versorgung anlegten. Zeitweise wurden in Schleswig-Holstein bis zu 2.000 Hektar Teichfläche durch knapp 200 Betriebe bewirtschaftet.

Der Karpfen benötigt in Schleswig-Holstein im Mittel vier Jahre, ehe er die übliche Speisefischgröße von zwei bis drei Kilogramm erreicht hat. Karpfen ernähren sich überwiegend von Kleinlebewesen, wie Muscheln, Schnecken und Insekten, die im Teich selber aufwachsen. Bei höheren Haltungsdichten ist eine Zufütterung mit Getreide notwendig. Anders als Raubfische wie beispielsweise Lachs oder Forelle sind sie jedoch nicht auf Futtermittel mit einem gewissen Anteil an marinen Ressourcen angewiesen.

Die Karpfen aus Schleswig-Holstein sind von ausgezeichneter Qualität. Sie sind fettarm, haben ein festes weißes bis leicht rötliches Fleisch, und durch moderne „Grätenschneider“ können die meisten Teichwirte ihren Kunden heute praktisch grätenfreie Filets anbieten. EU-rechtlich ist der Begriff „Holsteiner Karpfen“ als geschützte geografische Angabe (g.g.A.) gesichert. Zusätzlich bietet das Gütesiegel der Landwirtschaftskammer („Geprüfte Qualität Schleswig-Holstein“) den Kunden entsprechende Sicherheit beim Kauf dieses regionalen Produktes.

Die Erhaltung der Teiche ist sehr aufwändig. Werden die Zu- und Abflüsse sowie die Dämme zwischen den Teichen nicht laufend gepflegt und die Teiche regelmäßig entschlammt, verlanden sie binnen weniger Jahre und gehen als Produktionsstandort und gleichermaßen als Lebensraum verloren. Daher ist die traditionelle Karpfenteichwirtschaft heute kaum noch kostendeckend. Das Land Schleswig-Holstein wird vorbehaltlich der endgültigen Zustimmung der EU die Teichwirte ab dem Jahr 2015 mit Mitteln des Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) und des Landes unterstützen. Gelder sollen dabei allerdings nur fließen, wenn die Teichbewirtschaftung besonders naturnah erfolgt und Interessen des Naturschutzes gleichermaßen berücksichtigt werden.

PM: Nicola Kabel, Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume

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