Eutin – 250. Stunde der Kirchenmusik: Und wie geht es weiter?

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Foto: pixabay.com / nickelbabe(CIS-intern) – Von Horst Schinzel In der Eutiner St. Michaelis-Kirche hat an diesem Sonnabend mit einem Konzert des hier wohl bekannten Kieler Madrigal-Chores unter Leitung der Professorin Friederike Woebcken die 250. Stunde der Kirchenmusik stattgefunden. Ein stolzes Jubiläum. Aber der Musikfreund fragt sich: Wie geht es weiter? Der seit 1983 hier amtierende Kirchenmusikdirektor Martin West geht zum Jahresende nach Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand. Und obwohl ganz allgemein die Nordkirche im Geld schwimmt, ist der Kirchengemeindevorstand um Sparsamkeit bemüht. Schon vor vielen Jahren hat er beschlossen, die Planstelle des Organisten an St. Michaelis nach dem Ausscheiden von Martin West von „A“ auf eine „B“-Stelle abzuwerden.

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In aller Stille hat sich der Kirchengemeinde-Vorstand nach offenbar „preiswerteren“ jungen Kirchenmusikerinnen umgesehen. Unlängst haben sich zwei junge Frauen – darunter die jetzige Organistin von Scharbeutz – der Gemeinde vorgestellt.

Kirchenmusik auf hohem Niveau hat in Eutin eine lange Tradition. Die wurde bis vor etwa einem halben Jahrhundert auf eine Aufführung der „Schöpfung“ im Jahre 1819 zurückgeführt. Weitere Forschungen haben dann ergeben, dass es schon früher hier bürgerliche Musikpflege gegeben hat. Martin West’ Vorgänger Professor Andreas Hofmeier über vier Jahrzehnte hinweg und Günther Pods haben sich große Verdienste erworben – auch in Zeiten des Krieges und wirtschaftlicher Not. Eine Tradition, die Martin West nur dank der Zuschüsse der Stadt Eutin aufrecht erhalten konnte. Denn die Zeiten haben sich sehr geändert. Und vor allem hat der Kirchengemeinde-Vorstand arg „den Dumen op de Kniep“ gehalten – Kosten gescheut, andere Prioritäten gesetzt. Die „“Stunden der Kirchenmusik“ konnte West nur durch die Erlöse von Kollekten finanzieren. Und die Beiträge eines Vereins der Freunde der Kirchenmusik.

Jetzt stehen erst einmal eine Aufführung der „Carmina Burana“ im Rahmen der Eutiner Festspiele, die Internationalen Orgelwochen, am Volkstrauertag Verdis „Requiem“ neben dem Weihnachts- und Silvester-Konzerten drei abschließende „Stunden der Kirchenmusik“ an . Ob eine irgendwie geartete Verabschiedung von Martin West geplant ist- darüber hüllen sich Kirchengemeinde und Freunde in Schweigen. Die Organistenstelle soll zum 1. Februar wieder besetzt werden. Und ab 2022 mit der des Kreiskantors verbunden werden.