Erneuerbare Energien

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Foto: pixabay.com / seagul(CIS-intern) – Die Energiewende – kommt sie oder ist sie schon da? – Die Energiewende in Deutschland ist beschlossene Sache. Spätestens seit dem GAU im Atomkraftwerk in Fukushima 2011 ist auch in der breiten Öffentlichkeit die Meinung vorherrschend, dass die alten Energieträger Kohle, Gas und nukleares Spaltmaterial keine Zukunft mehr haben. Seitdem wird die Umstellung auf erneuerbare Energien weiter vorangetrieben, nachdem der „Wechsel“ bereits um die Jahrtausendwende deutlich von der rot-grünen Bundesregierung gefördert wurde.

Foto: pixabay.com / seagul

Aber wie weit sind die „Erneuerbaren“ hierzulande eigentlich und wird Deutschland seinem selbstverordneten Führungsanspruch in Sachen erneuerbare Energien wirklich gerecht?

Deutschland im internationalen Vergleich
Um eine Antwort auf diese Fragen zu finden, ist zum einen ein Blick auf die hiesige Energieerzeugung nötig – und zum anderen ein Vergleich mit anderen Ländern. Gerade dieser Vergleich ist aber nicht ganz einfach, denn die Zusammensetzung des „Energiemix“ ergibt sich zum Teil aus sehr landesabhängigen Faktoren, wie zum Beispiel der Verfügbarkeit eigener Energieträger, der wirtschaftlichen Entwicklung im Land und auch den politischen Prioritäten.

Da nicht nur Deutschland verstärkt auf erneuerbare Energien setzen will, sondern die gesamte EU, ist ein Vergleich mit anderen Mitgliedsstaaten der Union am sinnvollsten. Unsere Nachbarländer besitzen nämlich vergleichbare Vorräte an fossilen Brennstoffen, sind wirtschaftlich zumindest ähnlich stark wie Deutschland und setzen aufgrund der EU-Gesetzgebung – teils gezwungenermaßen – verstärkt auf erneuerbare Energien.

Dies hat unter anderem dazu geführt, dass 2017 in der EU erstmals mehr Strom aus Wind- und Sonnenkraft sowie Biomassen gewonnen wurde als mit Braun- und Steinkohle. Treibende Kraft hinter dieser Entwicklung waren vor allem Deutschland und Großbritannien, die gemeinsam rund 60 Prozent der in der EU erzeugten Energie aus regenerativen Quellen bereitgestellt haben. Deutschland liegt dabei mit einem Anteil von etwa 30 Prozent nur knapp vor dem Vereinigten Königreich, das immerhin auf 28 Prozent kommt.

Bereits anhand dieser Zahlen lässt sich klar sagen, dass Deutschland zusammen mit Großbritannien eine Vorreiterrolle in Sachen erneuerbare Energien einnimmt. Ganz so einsam, wie es den Anschein hat, ist es an der Spitze allerdings nicht, denn gerade kleinere EU-Länder wie Dänemark und die Niederlande setzen stark auf regenerative Energiequellen – genau wie der große skandinavische Nachbar Schweden. Da diese Länder aber im Vergleich zu Deutschland mit seiner starken Industrie insgesamt weniger Energie erzeugen, fällt auch ihr Anteil an der in der EU produzierten Energie aus regenerativen Quellen relativ gering aus. Tatsächlich ist uns aber zum Beispiel das kleine Dänemark voraus, denn hier stammen fast drei Viertel des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen, und der Anteil ist allein 2017 um sieben Prozent angewachsen – ein absoluter Spitzenwert in der EU. Dänemark setzt, genau wie Deutschland und Großbritannien, vor allem auf Windenergie, die in unserem nördlichen Nachbarland nahezu die Hälfte des Strombedarfs deckt.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Deutschland bei den erneuerbaren Energien durchaus einen Spitzenplatz einnimmt, auch wenn einige Staaten bereits einen größeren Anteil des Strombedarfs mit den „Erneuerbaren“ decken. Dieser Umstand ist vor allem der starken deutschen Industrie geschuldet, die zum einen sehr viel Strom benötigt und zum anderen auf eine absolut zuverlässige Versorgung angewiesen ist – hier hinken die erneuerbaren Energieträger noch etwas hinterher.

Foto: pixabay.com / nettetal10

Foto: pixabay.com / nettetal10 (Bald vorbei? Braunkohleabbau)

Nord-Süd-Gefälle – auch bei der Energiewende in Deutschland

Bleibt also noch die Frage, wie die „Erneuerbaren“ im deutschen Energiemix abschneiden. Da es in Deutschland kaum Vertreter aus der Industrie gibt, die sich für die Energiewende einsetzen – wie etwa in den USA Elon Musk – wird der Wechsel vor allem von der Politik vorangetrieben.
Beim Stromverbrauch konnten die erneuerbaren Energien von 2016 auf 2017 deutlich zulegen, der Anteil stieg von rund 31 auf etwa 36 Prozent. Ein Grund hierfür ist der immense Zuwachs bei der Windkraft: Die Energieerzeugung konnte hier innerhalb eines Jahres um satte 33 Prozent erhöht werden.

Diese Tatsache verdeutlicht auch, dass regenerative Energiequellen keineswegs überall in Deutschland gleichermaßen als Alternative genutzt werden. Windkraftanlagen entstehen tendenziell eher im Norden des Landes, da dort die Bedingungen allgemein günstiger sind. Andere regenerative Energieträger können praktisch im gesamten Land genutzt werden – bei ihnen stieg die Energieerzeugung 2017 insgesamt aber nur um rund fünf Prozent.

Scheinbar wird die Energiewende im Norden besonders intensiv vorangetrieben – das zeigt auch das Beispiel Schleswig-Holstein. Obwohl es eines der kleinsten Flächenländer in Deutschland ist (nur das Saarland ist kleiner), wurden in Schleswig-Holstein zahlreiche neue Windkraftanlagen gebaut, sodass das Land, zumindest rechnerisch, den Strombedarf vollständig aus erneuerbaren Energien decken kann – und sogar noch einen Überschuss für den „Export“ erwirtschaftet. Beim Primärenergieverbrauch liegen die „Erneuerbaren“ im nördlichsten Bundesland mit einem Anteil von fast 23 Prozent zwar noch hinter der Kernenergie, allerdings wächst dieser Anteil seit Jahren stetig. Beim Klimaschutz hat sich Schleswig-Holstein ebenfalls ehrgeizige Ziele gesetzt: Die Treibhausgasemissionen sollen bis 2050 mindestens um 80, im Idealfall sogar um 95 Prozent reduziert werden.

Die angekündigte Energiewende ist in Deutschland also in vollem Gange, auch wenn sie nicht überall mit der gleichen Intensität forciert wird. Trotz einer teils schleppenden Entwicklung steht Deutschland im internationalen Vergleich aber sehr gut da.