Dithmarschen: Modellvorhaben LandZukunft: Erfolgreicher Abschluss bedeutet Anfang

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(CIS-intern) – Der Kreis Dithmarschen hat als eine von bundesweit vier Regionen von April 2012 bis Dezember 2014 am Modellvorhaben LandZukunft teilgenommen. Insgesamt erhielt der Kreis als Träger 1,8 Millionen Euro vom Bund für eine nachhaltige Regionalentwicklung. Ziel war es, Projekte zu entwickeln, um den Folgen des demografischen Wandels aktiv zu begegnen. Dabei setzte der Kreis als „Talenteküste Dithmarschen“ einen Schwerpunkt auf die Bildungsförderung der Kinder und Jugendlichen sowie eine bessere Vernetzung einzelner Akteure aus den Bereichen Wirtschaft, Bildung und Soziales für die Schaffung zukunftsfähiger Kooperationen. „Talenteküste Dithmarschen“ war ein großer Erfolg. Nun soll der Weg frei gemacht werden für eine weitere Förderung einiger Teilprojekte.


Für eine starke Region (von links): Regionalmanager
Dennis Smuda, Landrat Dr. Jörn Klimant und AktivRegion-Geschäftsführer Christian Mende. Foto: Kreis Dithmarschen

Aus der Region – für die Region: LandZukunft

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft schrieb das Modellvorhaben LandZukunft zur Förderung des ländlichen Raumes aus. Ziel war es, die Modellgebiete für wirtschaftliche, demografische und soziale Herausforderungen mit Ideen aus der Region zu stärken. Neben Dithmarschen erhielten die Regionen Uckermark, Holzminden und Birkenfeld den Zuschlag. Die vier ausgewählten Modellregionen bekamen jeweils 1,8 Millionen Euro für den Förderzeitraum von April 2012 bis Dezember 2014. Diese Fördermittel wurden als Regionalbudget zur Verfügung gestellt, über dessen Verwendung die Projektinitiatoren zur Umsetzung der selbstentwickelten Zielsetzungen frei entscheiden konnten.

„LandZukunft setzte einen wahren Energieschub für unsere Region frei: Es wurden alle Ziele des Modellvorhabens erreicht – auch zum größten Teil sogar übertroffen. Wir haben eine wertvolle Basis und ein starkes Netzwerk von Akteuren aufgebaut. Davon erhoffe ich mir auch zum Projektende wichtige Impulse für unsere Region“, erklärt Landrat Dr. Jörn Klimant.

Talenteküste Dithmarschen

Die „Talenteküste Dithmarschen“ baut ihr Konzept auf den drei Säulen „Junge Küste“, „Innovationsküste“ und „Küstenleben“ auf.

Der erste Teilbereich „Junge Küste“ setzt sich für innovative Bildungsprojekte ein. Ziel ist es, die jungen Menschen in ihren Talenten und in ihrer Bildung zu stärken, um langfristig die Anzahl der Schul- oder Ausbildungsplatzabbrecher zu senken. Dabei sind Unternehmen mit den Bildungseinrichtungen besser vernetzt worden. Zur Säule „Junge Küste“ zählen unter anderem die Teilprojekte Talentekompasse in Albersdorf, Brunsbüttel und Büsum-Wesselburen sowie Praxispool und Bildungsbudget Dithmarschen.

Die Teilprojekte Praxispool und Talentekompass machen sich für die außerschulische Bildung der Kinder und Jugendlichen stark. Der Talentekompass unterstützt die Kinder dabei, ihre Fähigkeiten zu entdecken, indem sie verschiedene Bereiche ausprobieren. Dokumentiert werden die Ergebnisse auf einem Kompass. Die Kinder können Ditschies auf diese Scheibe mit sechs Farbfeldern kleben. Jedes der sechs Felder entspricht den Entwicklungsbereichen Ethik, Kultur, MINT, Bewegung und Sprache. Die Ditschies wurden sogar in dem Bilderbuch „Mattis und das Regenbogenditschie“ verewigt. Bisher haben rund 1.500 Kinder an 277 Aktionen von 100 Anbietern der Talentekompasse teilgenommen. Hier wurden deutlich die Erwartungen an das Projekt übertroffen: Zum Start des Teilprojektes im November 2013 ging man von gut 500 teilnehmenden Kindern und 50 Anbietern aus.

Das Projekt Praxispool ist eng mit dem Talentekompass verknüpft und koordiniert die Bildungs- und Freizeitangebote in einem kreisweiten Portal. Dieses Portal unterstützt die jungen Menschen dabei, ihren persönlichen Bildungsweg zu finden. Die Kinder und Jugendliche werden in der Kita- und Schulzeit begleitet und ihnen werden zum Beispiel Kontakte zu Betrieben vor Ort vermittelt, die modellhaft altersgerechte Betriebserkundungen anbieten. Auch hier übertrifft das erreichte Ziel die Erwartungen: Die Angebote wurden von über 12.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern genutzt, ausgegangen ist man beim Start 2013 von 6.000 Kindern und Jugendlichen.

Das Teilprojekt Bildungsbudget Dithmarschen hat sich zum Ziel gesetzt, die Bildungslandschaft im Kreis zukunftsfähig zu gestalten. Im Fokus stehen dabei die 13- bis 25-Jährigen. Denn ein gelungener Einstieg in den Arbeitsmarkt ist für junge Menschen wichtig für ihre berufliche Karriere. Der Träger des Bildungsbudgets ist die Entwicklungsgesellschaft Brunsbüttel mbH (egeb). Es wurde ein Konzept entwickelt, mit dem die im Bildungsbereich bestehenden finanziellen Mittel und Strukturen offengelegt wurden, um sie möglichst sinnvoll einzusetzen. Dabei wurden Informationen und Angebote zu den Bildungsmaßnahmen öffentlicher Anbieter systematisch erfasst. Das Ergebnis soll dazu dienen, das Angebot zu optimieren, positive Effekte von Kooperationen aufzuzeigen und Synergieeffekte anzustoßen. Die Endversion des Konzeptes wurde im September 2014 vorgestellt. Bislang ist eine neue Kooperationsvereinbarung zwischen dem Jobcenter und dem Kreis hinsichtlich des Budgeteinsatzes abgeschlossen worden.

Unter dem Titel „Innovationsküste“ wurde 2012 der Dithmarscher Innovationspreis „Plietsche Lüüd“ ins Leben gerufen. Trägerin ist die Industrie- und Handelskammer zu Flensburg. Der Preis hat eine Innovations- und Verantwortungskultur in der Region etabliert. Diese zweite Säule der Talenteküste zeigte eine vielfältige Palette an Aktionen und Vorhaben in der Region. Insgesamt haben sich bisher 93 Unternehmen, Institutionen und Privatleute beworben, damit wurden die anfänglichen Erwartungen von 60 Bewerbungen für den Dithmarscher Innovationspreis übertroffen.

Die dritte Säule „Küstenleben“ setzt sich für zukunftsfähige und attraktive Lebensorte in Dithmarschen ein. Dazu zählen die Leuchttürme der Innenentwicklung in der Stadt Wesselburen sowie der Gemeinde Lunden. In Wesselburen entsteht ein Wohn- und Bürgerzentrum direkt am Markt. Auch wurden private Gebäude saniert und ein Wasserspielplatz geschaffen. Mit öffentlichen Geldern wurden zusätzlich das Amtsgebäude und die Touristinfo neu gestaltet. Es ist auch ein Parkplatz in Marktplatznähe zur Verkehrsentlastung der Innenstadt geschaffen worden. Die über das Modellprojekt LandZukunft geförderte Ortskernentwicklung in Lunden umfasst einen eng abgesteckten Bereich südlich der Kirche. Innerhalb des Ortskernbereiches konzentrierte sich die Förderung durch das Modellvorhaben auf Grundstückskäufe und Gebäudeabrisse, um eine attraktive Fläche für kommende Investitionen im Ortskern zu ermöglichen. Die geförderte planerische Gestaltung konzentriert sich darauf, die gesamte Fläche für die Entstehung neuer Versorgungsstrukturen vorzubereiten. Die Gemeinde hat durch dieses Vorgehen die Möglichkeit, stadtplanerisch zu gestalten und so das Optimum für den Ort und die umliegenden Gemeinden im Einzugsbereich der Gemeinde Lunden zu erreichen.

Das Gesamtvolumen der Investitionen liegt in beiden Orten zusammen bei weit über fünf Millionen Euro, die Förderung über LandZukunft macht dabei etwa zehn Prozent aus.

Nachhaltige Regionalentwicklung für die Zukunft

Das Modellvorhaben LandZukunft wurde von der Geschäftsstelle der AktivRegion Dithmarschen organisiert, die auch nach dem Ende der Förderperiode Teilprojekte weiterführen möchte. Der Geschäftsführer Christian Mende sagt dazu: „Unser Ziel ist eine langfristige Förderung, die den Menschen in Dithmarschen zugutekommt. Dabei ist das große Engagement und die gute Zusammenarbeit der Akteure aus der Wirtschaft, Bildung und einzelnen Institutionen im ländlichen Raum vorbildlich.“

Direkt fortgesetzt wird zum Beispiel der Dithmarscher Innovationspreis „Plietsche Lüüd“, der sich bereits etabliert hat. Statt bisher einmal im Jahr wird der Preis im zweijährigen Modus vergeben. Stiftungspaten sichern die Finanzierung des Innovationspreises.

Dank der Akquise des Praxispools konnten viele Betriebe in der Region gewonnen werden, die sich im Rahmen der Talentekompasse oder des Praxispools in das Modellprojekt einbringen. Es entstanden Kooperationen von regionalen Unternehmen mit Schulen und Kindertagesstätten, die nachhaltig und dauerhaft etabliert werden sollen. Dazu gibt es bereits die Zusagen, dass die einzelnen Angebote, die mit den Betrieben entwickelt wurden, nach Ende des Modellvorhabens weiterhin stattfinden werden.

Auch sollen die Talentekompasse in Albersdorf, Büsum-Wesselburen und Brunsbüttel zum Bildungsnetzwerk ausgebaut werden. Beteiligt an der Weiterentwicklung der Talentekompasse ist neben den Trägern der bisherigen LandZukunft-Projekte der Jungen Küste auch der Kreis Dithmarschen. Es gibt bereits Ansätze und einen ersten politischen Beschluss in Büsum-Wesselburen, das Angebot fortzuführen. In Albersdorf und Brunsbüttel wird die Fortsetzung geplant. Aktuell wird ein Antrag auf Förderung über die AktivRegion gemeinsam mit dem Kreis erarbeitet.

Außerdem schreitet die Innenentwicklung der Stadt Wesselburen und die Gemeinde Lunden voran. Beide Kommunen haben mit der Umsetzung ihrer Ortsentwicklungskonzepte begonnen. Die Projekte sind noch nicht abgeschlossen, da die Land-Zukunft-Förderung jeweils einen Anschub geleistet hat. Weitere bauliche Maßnahmen werden von privaten Investoren geleistet. Ziel ist es, die Bauvorhaben 2015 in Wesselburen und 2016 in Lunden abzuschließen. Auch bei der Umsetzung des Handlungskonzeptes Demografie des Kreises Dithmarschen steht die Ortskernentwicklung im Fokus. Die Umsetzung erfolgt in enger Abstimmung zwischen der kommunalen Ebene und dem Kreis. Eine Förderung ist über die AktivRegion möglich, bei der die Innerortsentwicklung einen Förderschwerpunkt darstellt.

Partner für ein zukunftsfähiges Dithmarschen

An dem Modellvorhaben LandZukunft nahmen rund hundert Akteure aus den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Verwaltung und Soziales teil. So beteiligten sich zum Beispiel Organisationen und Firmen wie die egeb-Wirtschaftsförderung, die Sparkasse Westholstein, die Raiffeisenbank eG Heide, die IHK Flensburg, der Unternehmensverband Unterelbe-Westküste e.V., die Raffinerie Heide und der Kreis Dithmarschen finanziell am Dithmarscher Innovationspreis.

Der Praxispool bietet vielen Unternehmen der Region die Chance, sich im LandZukunft-Prozess zu engagieren. Immer mehr Betriebe gehen seit der Akquise durch die Mitarbeiterinnen des Praxispools Kooperationen mit Schulen oder Kitas ein. 2014 wurde insbesondere die Landwirtschaft stärker einbezogen. Der Bauernverband und fünf regionale Betriebe bieten erstmals Programme für Kita-Kinder sowie Schülerinnen und Schüler der Umgebung an, die pädagogisch mit Erzieherinnen und Erziehern und Lehrkräften abgestimmt wurden. Zudem beteiligen sich die Betriebe am Praktikumsnetzwerk und stellen dafür verschiedene Praktika ihrer Ausbildungsberufe zur Verfügung. Der Talentekompass brachte Schulen und Kindertageseinrichtungen mit Unternehmen zusammen.

Mit dem Bildungsbudget Dithmarschen haben das Jobcenter, die Agentur für Arbeit und die Entwicklungsgesellschaft Brunsbüttel ihre Zusammenarbeit für einen gelungenen Einstieg der jungen Menschen in den Beruf intensiviert.

Auch der Bereich Küstenleben profitiert vom Einsatz der Menschen vor Ort: Arbeitskreise unter Einbindung der Gemeindevertretungen brachten in Wesselburen und Lunden die Planungen für die Ortskernentwicklung voran.

„Der großen Unterstützung, Ausdauer und effektiven Zusammenarbeit aller Akteure haben wir den Erfolg des Modellvorhabens zu verdanken. Sie haben gezeigt, welcher Zusammenhalt und welches Engagement in der Region bestehen, wenn es um die Zukunft Dithmarschens geht“, bedankt sich der Landrat Dr. Klimant bei den Projektteilnehmern.

PM: Kreis Dithmarschen