Dino in der Abwärtsspirale: Wie der HSV immer weitertaumelt

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Foto: By euroluftbild.de/Grah(CIS-intern) –Der Hamburger SV befindet sich derzeit in aller Munde. Nicht nur dank des verzweifelten Überlebenskampfes in der Bundesliga, der aller Voraussicht nach in die 2. Liga führen wird. Auch die ständigen Diskussionen im Umfeld sorgen für große Unterhaltung, wenn man nicht gerade Fan oder Verantwortlicher des HSV ist. Was sind die Gründe für den einzigartigen Absturz und ist Besserung in Sicht?

Fehlende Konstanz als Hauptmerkmal des Abschwungs

Foto: By euroluftbild.de/Grahn (08.07.2012) [CC BY-SA 3.0 de, CC BY-SA 3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons

Wie kann es nur möglich sein, dass der Hamburger SV mit seinen finanziellen Mitteln in der Bundesliga weit hinter Freiburg, Mainz oder Augsburg landet? Warum kämpfte der Dino der Liga Jahr für Jahr gegen den Abstieg, während alle genannten Klubs im gleichen Zeitraum gar Europapokal-Teilnahmen vorweisen können? Die Antwort ist recht simpel und lässt sich mit dem Hamburger Chaos sowie fehlender Konstanz geben. Seit der 701 Tage währenden Amtszeit von Thorsten Fink, der vom HSV vom 17.10.2011 bis 17.09.2013 beschäftigt wurde, kommt der Klub in unter fünf Jahren auf acht Trainer. Der neunte ist wahrscheinlich, sollte Christian Titz am Ende der Saison nicht weitermachen dürfen, wenn der Neustart in Liga 2 ansteht. Es ist angesichts der genommenen Entwicklung symptomatisch, war Titz doch derjenige, unter dem sich der HSV endlich wieder etwas fing. 1,43 Punkte pro Spiel sind in einer zugegebenermaßen geringen Menge an Daten der beste Wert seit Armin Veh (1,48), der im März 2011 seinen Hut nehmen musste.

Auf den Führungspositionen im Klub herrscht seit Jahren ebenfalls großes Chaos. Verträge werden verlängert, nur um Wochen später wieder aufgelöst zu werden, so gesehen etwa bei Heribert Bruchhagen. Auch der von ihm gestützte Jens Todt musste nach der Wiederwahl von Bernd Hoffmann ins Präsidentenamt seine Position als Manager frühzeitig räumen. So kommt es dazu, dass dem Klub seit Jahren eine klare Linie fehlt und dieser dem Keller entgegenschwankt, sich aber irgendwie immer wieder retten konnte. Diesmal könnte es zu spät sein, selbst wenn die Betway Quoten auf einen HSV-Sieg gegen Mönchengladbach bei ordentlichen 2,30 liegen (Stand 11. Mai). Das Problem ist, dass man zugleich auf eine Niederlage des VfL Wolfsburg gegen das bereits abgestiegene Köln hoffen muss, um den Relegationsplatz und ein Spiel gegen Holstein Kiel zu erobern. Entsprechend ist der HSV bei den Gesamtsiegsquoten schon gar nicht mehr dabei. Die Linie soll durch Hoffmann zurückkehren, dabei war er es, der den Klub vor rund 10 Jahren ins Chaos stürzte, als die Hamburger in den vier Duellen gegen Werder Bremen den Kürzeren zogen.

Verbesserungswürdige Nachwuchsarbeit im Verein

Foto: By Northside

Foto: By Northside [CC BY-SA 3.0], from Wikimedia Commons

Die Nachwuchsarbeit des Vereins war in den vergangenen Jahren ebenfalls problematisch. Immer wieder gingen die Spieler aus der eigenen U23 zur Konkurrenz und hinterließen den HSV mit leeren Händen. Jerome Boateng ist nur ein Beispiel, verließ den Verein 2010 in Richtung Manchester City, reifte im Anschluss in München zum Weltklassespieler. Im gleichen Jahr ging auch Sidney Sam, der schließlich nicht zu dem Profi wurde, den die Anfangsjahre versprachen. Dennoch spielte auch er eine Zeitlang gut für Bayer Leverkusen und wurde gar zum Nationalspieler. Eric Maxim Choupo-Moting verließ den Verein ein Jahr später in Richtung Mainz und spielt wie von Spox berichtet mittlerweile als Stammspieler in der Premier League. Im Sommer 2016 wurde schließlich Kerem Demirbay für nicht gut genug befunden und zum Schnäppchenpreis nach Hoffenheim verkauft. Ein Jahr später gewann er mit der Nationalmannschaft den Confederations Cup. Insgesamt nahm der HSV für alle vier erwähnten Spieler einen Betrag von 16,2 Millionen Euro ein. Ihr addierter Marktwert liegt laut Transfermarkt heute bei 65,7 Millionen Euro.

Dieses Verlustspiel lässt sich beliebig mit den Zugängen fortsetzen. Mehr Masse statt Klasse ist auch hier das Motto des HSV, der sich beispielsweise einen heute streikenden Brasilianer Walace 9,2 Millionen Euro kosten ließ. Das Management muss schlauer agieren und beispielsweise auch mal den eigenen U23- und U19-Spielern eine Chance geben, wie es zuletzt durch Titz geschah. Er baute einen Matti Steinmann im defensiven Mittelfeld ein. Vorne besteht durch Jan-Fiete Arp Hoffnung, wenn man ihn nach dessen wohl unvermeidbaren Transfer wieder per Ausleihe erhält. Tatsuya Ito lässt auf der linken Offensivseite hoffen, sodass eine gewisse Basis für den Zweitligaaufbau besteht, so er denn nötig ist. Julian Pollersbeck und Gideon Jung könnten ebenfalls bleiben, während die meisten anderen mit lukrativen Verträgen eher kein HSV-Spieler mehr sein werden. Von Papadopoulos über Kostic und Wood betrifft dies auch den schwedischen WM-Teilnehmer Albin Ekdal. Ob sich der Hamburger SV in der kommenden Zeit stabilisieren kann, ist offen. Zu viele Fragezeichen stehen hinter der Mannschaft und vor allem der Führung. Meinen sie es diesmal endlich ernst und ziehen ihre hoffentlich vorhandene Linie klar durch? Die kommende Saison wird es zeigen.