Die Vitalienbrüder – Die berüchtigtsten deutschen Piraten

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Foto: pixabay.com / Comfreak(CIS-intern) – Gleichwohl die populäre Vorstellung von Piraten heute vor allem von den Freibeutern, Bukanieren und den späteren Piraten in der Karibik geprägt wurde (zu ihnen gehören beispielsweise Figuren wie Blackbeard oder Henry Morgan), waren die bekanntesten deutschen Piraten, die es jemals gegeben hat, mehr als 200 Jahre vorher aktiv. Und das nicht in der Karibik (die zu diesem Zeitpunkt erst einmal “entdeckt“ werden musste) sondern in den heimischen Gewässern: Der Ostsee und der Nordsee.

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Die Piraten um 1400, die als Vitalienbrüder Ruhm, Reichtum und ein grausames Ende finden sollten, waren in einigen Belangen noch ganz anders als die späteren Seeräuber in der Karibik. So waren sie nicht nur anders gekleidet, ihre Schiffe hatten auch keine Kanonen, wie man sie mit dem Zeitalter der karibischen Piraterie in Verbindung bringt. Zu ihren Zeiten waren Kriegsschiffe (echte sowie provisorische) eher schwimmende Festungen, bei denen Geschütze nur eine periphere Rolle spielten und der Kampf an Bord Mann gegen Mann ausgefochten wurde. Nahezu reine Enterschiffe eben. Die Kanonen hatten noch nicht das Kaliber, Bordwände durchschlagen zu können und waren, sofern vorhanden, eher an Bug und Heck und in den Kastellen angebracht. Stückpforten über der Wasserlinie gab es noch nicht.

Doch auch wenn die Freibeuter aus jenen Tagen in vielerlei Hinsicht nicht mit den späteren Karibik Piraten zu vergleichen waren, so ergaben sich doch interessante Parallelen, wenn man bedenkt, wie sie zu Piraten wurden. Denn auch viele der späteren karibischen Piraten, die wir heute im Kopf haben, wenn wir an Piraten denken, starteten ihre Karriere oft als Freibeuter und Kaperfahrer.

Viele der mächtigen Königreiche jener Zeit hatten selten eine stehende Marine. Und selbst wenn, war diese meist überschaubar. Es war geostrategisch einfach noch nicht notwendig, da der Seehandel noch nicht jene Bedeutung gewonnen hatte, die er später einmal haben würde. Und zwar in einem Ausmaß, dass die Kräfteverhältnisse auf der Welt neu ordnen würde. Doch zur Zeit der Vitalienbrüder (ganz am Ende des 14. Jahrhunderts) waren wichtige Seerouten noch nicht entdeckt. Ganz zu schweigen von der neuen Welt.

Nichts desto trotz spielte auch die Kriegsführung zur See damals bereits eine zunehmende Rolle. Insbesondere im Konflikt zwischen Dänemark, das nach der Macht über ganz Skandinavien griff, und Albrecht dem III von Mecklenburg, der offen Widerstand leistete. Um auch auf See gegen die Dänen eine schlagkräftige Flotte zu haben (auch wenn diese mehr darauf abzielte, Lebensmittel zu befördern und Händler auszurauben), erteilte Albrecht III Kaperbriefe. Diese Kaperbriefe gaben ihren Trägern das Recht, dänische Schiffe nach Herzenslust zu plündern und die so erbeuteten Waren in sicheren Häfen zu verkaufen, ohne dass die Freibeuter dafür der Piraterie schuldig wurden. Auch wenn das die Dänen gewiss anders sahen. Solches Seesöldnertum war damals sehr weit verbreitet. Und selbst als später fast alle Weltmächte eigene Flotten unterhielten, wurde noch bis ins 19. Jahrhundert, wenn auch zunehmend sporadisch, auf Freibeuter mit Kaperbriefen zurückgegriffen.

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Gelegenheit macht Vitalienbrüder
Die Vitalienbrüder erwarben sich ihren Namen dadurch, dass sie der Stadt Stockholm, die dem dänischen Ansturm lange trotzen konnte, regelmäßig “Viktualien“, Lebensmittel für die dortigen Soldaten, zukommen lassen konnten. Dabei erzielten die Vitalienbrüder selbst auch einen militärischen Achtungserfolg, als sie Teile von Gotland erobern und die dortige Inselhauptstadt Visby zu ihrem Stützpunkt machen konnten.

Dann allerdings kam etwas, was den Vitalienbrüdern einen Strich durch die Rechnung machte. Es kam 1395 zum Frieden. Und die fetten Jahre schienen vorbei. Doch hatten die Vitalienbrüder Blut geleckt. Durch die gerechte Aufteilung der Beute unter den Seeleuten verdienten diese viel mehr, als sie auf regulärem Wege in der Seefahrt verdienen konnten. Und so setzten sie einfach das fort, was sie all die Jahre vorher gemacht hatten. Nur ohne Kaperbrief. Und ohne die Notwendigkeit, ihren Appetit auf dänische Schiffe zu beschränken. Ein Umstand, den insbesondere die Hanse schmerzhaft zu spüren bekam.

Räuberische Seeblockade
Die Piraterie durch die Vitalienbrüder machte der Hanse derart zu schaffen, dass der Ostseehandel faktisch darniederlag. Die Hanse reagierte, indem sie (zusammen mit dem deutschen Orden) 80 Schiffe mit Männern unter Waffen nach Gotland schickte. Die Vitalienbrüder hatten einer solchen Übermacht nichts entgegenzusetzen und flohen. Sie verlagerten ihre Aktivitäten nun überwiegend in die Nordsee, wo sie abermals den Koggen der Hanse und englischen Händlern auflauerten. Überdies fanden sie in Ostfriesland, das damals politisch unabhängig war, neue Absatzmärkte für ihre gestohlenen Waren und Unterschlupf.

Dies bewegte die Hanse dazu, ihre Bemühungen zu steigern und die ostfriesischen Häuptlinge auch militärisch unter Druck zu setzen. In der Seeschlacht von Helgoland am 22. April 1401 gelang es schließlich, einen wichtigen Anführer der Vitalienbrüder, den berüchtigten Störtebeker, in Gefangenschaft zu nehmen. Ein Jahr später erwischte man auch den andern und letzten verbliebenen Anführer der Vitalienbrüder, Gödeke Michels. Alle Gefangenen wurden in Hamburg hingerichtet. Wobei gerade die Hinrichtung Störtebekers heute Gegenstand eines bekannten Seemannsgarns ist – und ihn somit ironischerweise unsterblich gemacht hat.