Dem Komponisten Arvo Pärt zum Achtzigsten

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(CIS-intern) – Von Horst Schinzel Am 11. September vollendet der seit 1982 in Berlin längst als deutscher Staatsbürger lebende estnisch-stämmige Komponist Arvo Pärt das achtzigste Lebensjahr. Pärt gilt als einer der bedeutendsten Musikschöpfer unserer Zeit. Angesichts der vielfältigen Beziehungen Schleswig-Holsteins – Kiel ist beispielsweise mit Tallinn, Plön mit Rakvere verschwistert – zu seiner estnischen Heimat ist es angebracht, auch an dieser Stelle diesen Musiker zu würdigen.

Foto Universal-Musik

Pärt wurde in der mittel-estnischen Kleinstadt Paide geboren. Er wuchs in Rakvere auf und entdeckte schon früh seine musikalischen Neigungen. Seinen Militärdienst – Estland war damals eine Sowjetrepublik – leistete er bei der Militärmusik ab. Von 1958 bis 1963 studierte er am Musikkonservatorium Tallinn Komposition bei Veljo Tomis und Heino Eller. Zur gleichen Zeit war er Tonmeister beim estnischen Rundfunk. Zur gleichen Zeit schuf er Bühnen- und Filmmusiken, die deutlich von Schostakowitsch, Prokofjews und Bartók beeinflusst waren. Später experimentierte er mit Schönbergs Zwölftontechnik dem musikalischen Serialismus.

Mit seinen Vokalwerken geriet Pärt nicht zuletzt wegen deren religiösen Gehalts bald in Gegensatz zur offiziellen sowjetischen Kulturpolitik. Andererseits galt er schnell als radikalster Vertreter sowjetischer Avantgarde. Zur russischen Orthodoxie konvertiert, schuf Pärt in der Folge zahlreiche kirchenmusikalische Werke. 1980 verließ der Komponist mit ausdrücklicher Erlaubnis Estland. Nach einem Zwischenaufenthalt in Wien ging er nach Berlin, wo er seit 1982 lebt.

Zugegeben: Mit seinem komplizierten musikalischen Schaffen ist Pärt weder in seiner alten noch in seiner neuen Heimat im eigentlichen Sinne volkstümlich geworden. Warum wird deutlich in einer Veröffentlichung von Arthaus Musik anlässlich dieses runden Geburtstages (109115). In einer Veröffentlichung, die ebenso ungewöhnlich ist wie der rauschebärtige Meister selbst. Da ist ein Film des estnischen Rundfunks von Dorian Supin aus dem Jahre 1990 – also noch aus der Sowjetzeit. Es ist deutlich: Hier ist das Filmteam bemüht, den in seiner Heimat offenbar gänzlich unbekannten Musikschöpfer vorzustellen. Ohne Vorkenntnisse ist dieser Bericht kaum sehr erhellend.

Nicht unproblematisch ist auch der zweite Teil dieser Veröffentlichung. Wiedergegeben wird eine Aufführung im Jahre 1988 der frühen – 1981 – Johannes-Passion durch das Hilliard-Ensemble in der englischen Durham-Kathedrale. Pärts von tiefer Religiosität zeugende geistliche Musik hat sich im Kanon der aufzuführenden Passionsmusiken nicht durchsetzen können. Seine Kompositionen sind schlicht, von vielen Pausen geprägt. Pärt sieht die überlieferte Passion Christi im Kontext zum Leiden des modernen Menschen in unserer wirren Zeit

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