Das neue Museumsquartier St. Annen in Lübeck

Add to Flipboard Magazine.

(CIS-intern) – Von Horst Schinzel – Mit einem Festakt in der Kirch St. Ägiein und allerlei Aktivitäten im neuen Museumsquartier selhst ist am Sonnabend Abend die neueste Errungenschaft der Hanysestdt eröffnet worden Im Lübecker St. Annen-Museum und der Kunsthalle St. Annen wandelt der Besucher auf fast 9.000 Quadratmetern Fläche durch moderne sowie historische Ausstellungsräume, Höfe, Gärten und durch den spätgotischen Kreuzgang von 1512 und erlebt dabei Grundformen des menschlichen Miteinanders: Kunst, Glaube und Gesellschaft.

Die Historie Lübecks wird in ihrer ganzen Bandbreite präsentiert. Zu entdecken sind Kulturschätze unermesslichen Werts wie die einzigartige Sammlung sakraler Kunstwerke, die am authentischen Ort des ehemaligen Kloster gezeigt wird, aber ebenso ermöglicht die Präsentation Einblicke in das Innere des Weltkulturerbes der Hansestadt Lübeck und bietet immer neue Perspektiven in den Wechselausstellungen der Kunsthalle.

Foto: Presse Horst Schinzel

Der neu geschaffene Multimediaraum „ZeitReisen“ verbindet die verschiedenartigen Bereiche des Museumsquartiers und erlaubt einen virtuellen Gang durch sieben Jahrhunderte Kunst und Kultur. Anhand ausgesuchter Artefakte und Epochen inszeniert der Raum akustisch und visuell die reiche Geschichte Lübecks vom frühen Mittelalter bis zur Neuzeit.Während im Kreuzgang von St. Annen der berühmte Passionsaltar der Familie Greverade von Hans Memling aus dem Jahr 1491 im Original zu sehen ist, bietet die virtuelle Darstellung ein Zusatzangebot und berichtet über den Aufbau des Retabels, über seine Geschichte vor und hinter den Bildern. Auch die neue Abteilung „St. AnnenKinder“ hilft mit digitalen und pädagogischen Angeboten, die religiösen Codes zu verstehen, die Bilder ebendig zu machen und spielerisch einen Zugang zu geschichtlichen Ereignissen zu finden.

Der Schritt von gestern zu heute, von moderner Kunst und sakraler Atmosphäre ist im neuen Museumsquartier räumlichund virtuell ein Erlebnis von großer Dichte. Nicht umsonst gilt das St. Annen-Museum als eines der schönsten Museen Deutschlands.

Die Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck seit dem späten Mittelalter zeigt sich in Objekten und Geschichten rund um die Lübecker Zünfte und Künstler. Es geht um Festkultur, Musikkultur und um Unternehmertum. So erfährt man in der Ausstellung im Obergeschoss des St. Annen-Museums in 25 Räumen, dass das Lübische Recht in fast 100 Städten entlang der südlichen Ostsee galt, dass der Kaufmann und Bürgermeister Jürgen Wullenwever 96 Zentner Kirchensilber einschmelzen ließ, um für seine Idee Krieg zu führen, nur noch hansische Händler in der Ostsee zuzulassen und dass das Amt der Garbrater seit 1376 das alleinige Recht besitzt, auf großen Gasteryen zu kochen.

Zu sehen sind eine original aufgebaute Dornse – Kontor und Arbeitsplatz des hanseatischen Kaufmanns, aber auch prächtig gestaltete Trinkgefäße, Ratssilber und Zechordnungen. Eine Besonderheit bietet auch die Kunst- und Wunderkammer des Jacob von Melle mit ethnologischen Kostbarkeiten aus dem Norden und Spielzeug aus ersten Grabungen in der Altstadt.

Seit seiner Gründung ist Lübeck ein Zentrum für Musik. Und was um 1660 als Feierabendvergnügen für Kaufleute beginnt, wird vom jungen Dieterich Buxtehude zu einem Kunstspektakel entwickelt: Die „Lübecker Abendmusiken“. Diese lockten 150 Jahre lang Gäste in die Marienkirche und waren ein Ereignis, welches weit über die Grenzen der Stadt hinaus für Aufsehen sorgte. Neben musischen Themen werden außerdem die Beziehungen Lübecks zu den Niederlanden und zu England vorgestellt und große Unternehmer wie der Reeder Thomas Fredenhagen (1627–1709) präsentiert. Außerdem sind sogenannte Wackeltapeten, Goldledertapeten und fürstliche Pracht sowie Werke von Johann Georg Buchwald (1723–1806) zu sehen, der zu bedeutendsten deutschen Fayencemodelleuren gehört. Mit Briefen der Freundschaft, Hausmusik im Gartensaal, ostasiatischen Porzellanschalen und vier Damenkleidern, die die Geschichte des Kampfes um die Dressur des Frauenkörpers zeigen, endet der Rundgang.

Als bürgerliches Stiftermuseum wurde das Museumsquartier St. Annen auch bei der aktuellen Umgestaltung in einer einmaligen Allianz vor allem aus in Lübeck ansässigen Stiftungen, Vereinen sowie Bürgern und aus dem Konjunkturprogramm des Bundes für eine energetische Sanierung und einen behindertengerechten Umbau finanziert. Die Hansestadt Lübeck hat zudem im Rahmen dieser Maßnahmen die Brandschutz- und Sicherheitstechnik umfassend modernisiert. Das Investitionsvolumen umfasste insgesamt knapp drei Millionen Euro.

Horst Schinzel