Das alte Plastik und das Meer

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Foto: pixabay.com / the3cats(CIS-intern) – Die jährliche, weltweite Produktion von Kunststoff hat in den 1950er Jahren noch rund 5 Millionen Tonnen betragen. Heute liegt sie bei unglaublichen 280 Millionen Tonnen! Es gibt viele verschiedene Arten von Kunststoffen, von denen Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) am häufigsten hergestellt werden. Die Gründe sind rein pragmatischer Natur. Kunststoff ist ein billiges und langlebiges Material mit einer breiten Palette von Anwendungen. Plastik ist wegen der ungebändigten Massenproduktion, der oft unvorsichtigen oder gar fahrlässigen Entsorgung und seiner extrem langsamen Zersetzung in der Natur von besonderer Umweltbedeutung. Ein Faktor, der uns bald über den Kopf wachsen könnte. Wenn er das nicht schon getan hat.

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Abfälle im Meer
In der Meeresumwelt können verschiedene Arten von Müll gefunden werden. Es wird geschätzt, dass Meeresmüll aus 60 – 80% Kunststoff besteht und der größte Teil davon sehr klein ist (<5 mm). Zu den Quellen gehören verschiedene Land- und Seebranchen wie Fischerei und Schifffahrt (z. B. Netze, Seile) und Einzelhandel (z. B. Plastikflaschen, Säcke und Verpackungen). Im Laufe der Zeit zerfallen größere Produkte in kleinere Partikel und der langsame Abbau führt zu einer hohen Persistenz von Plastikstreu, das sich besonders am Meeresboden konzentriert. Kosmetika und Körperpflegeprodukte
Mikroplastik-Partikel verschiedener Größen und Funktionen werden in einer Vielzahl von Kosmetika verwendet. Dort dienen sie z.B. als Schleifmittel in Peelings oder als filmbildende, füllende oder viskositätskontrollierende Mittel in Körperlotionen, Gesichtscremes und Make-up. Der Gehalt an Kunststoffinhaltsstoffen variiert zwischen 1% und 90% in diesen Produkten. Ihr Einfluss ist nicht zu unterschätzen, da das enthaltene Mikroplastik von “abgespülten” Produkten ins Abwasser und von dort anteilig ins Meer gelangt.

Eine Studie des Ostseeraums ergab, dass pro Jahr 130 Tonnen (!) Mikroplastik aus Pflegemitteln in das Abwasser gelangen und durch ineffektive Filterung in den Kläranlagen davon bis zu 40 Tonnen Mikroplastik direkt in der Ostsee landen.

Mikroplastik – ein kleines, sehr großes Problem

Mikroplastik ist definiert als Kunststoffteilchen, die kleiner als 5 mm sind. Sie können aus einer Vielzahl von Quellen stammen, die allgemein als primär und sekundär klassifiziert sind. Primäres Mikroplastik wird gezielt hergestellt (wie in den zuvor genannten Kosmetika) und sekundäres Mikroplastik entsteht im Rahmen des mechanischen Verfalls von Abfällen aus Kunststoff. Quellen für Mikroplastik sind größere Kunststoffartikel, Waschmittel, Körperpflegeprodukte, Medikamente und Textilien. Die Wege in die Meeresumwelt sind durch Fragmentierung, Abwasser und Regenwasser gegeben. Die Mikroplastik-Kontamination in der Meeresumwelt ist von immenser Bedeutung, da sie in der Umwelt weit verbreitet und praktisch unmöglich zu entfernen ist. Des Weiteren ist sie Grundlage dafür, dass diese zermahlenen Kunststoffe gefährliche Chemikalien übertragen können, die toxikologische Effekte haben.

Neben den physiologischen Auswirkungen des Mikroplastiks an sich sind Kunststoffe bekannt, die Metalle und persistente organische Schadstoffe an der Partikeloberfläche aus dem umgebenden Meerwasser anreichern. Diese Schadstoffe können auch durch Verschlucken von Plastik auf Organismen übertragen werden und aufgrund ihrer Fettlöslichkeit das Risiko haben, sich in den Fettgeweben von Meeresorganismen anzusammeln und damit in die Nahrungskette einzudringen.

Ökologische Folgen
Die Umweltverschmutzung durch Plastik ist eine nicht mehr zu ignorierende globale Bedrohung für das Meeresleben – und darüber hinaus! Die Auswirkungen von Kunststoffen auf das marine Leben reichen von Verletzungen (durch Behälter, Plastiktüten, Schnüre etc.) bis hin zum Tod von Meeresvögeln, Säugetieren und Fischen. Meist infolge von Verwicklung oder Verschlucken. Mikroplastik wurde bereits in Plankton, Muscheln, Würmern, Fischen und Seevögeln gefunden. Mikroplastik mit geringer Dichte ist leicht und treibt in den oberen Bereichen der Wassersäule. Dort sind somit Fische und Plankton diesem Stoff ausgesetzt. Dagegen sinkt Mikroplastik mit hoher Dichte auf den Meeresboden und wird für Tiere wie Würmer und Muscheln zum Problem. Denn je kleiner die Partikel sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Organismen dieses Mikroplastik entweder passiv (in Form von Giftstoffen) aufnehmen oder es für natürliche Beute halten (meist Plankton) und verschlucken. Wenn sich erst einmal diese kleineren bis kleinsten Partikel im Gewebe von Tieren ansammeln, stören sie ganz empfindlich die physiologischen Prozesse. Nicht selten verenden Tiere unterschiedlichster Gattungen und Größenordnungen (vom Plankton bis zum Wal) elendig durch Entzündungen oder Verschlüsse. Einmal aufgenommen, kann Mikroplastik entlang der Nahrungskette zu anderen Meerestieren und möglicherweise auch zum Menschen transportiert werden.

Schon von tragischer Ironie, dass unser eigener Müll erst wieder auf unseren Tellern liegen muss, damit das Problem auch in der Breite erkannt wird.