Buchvorstellung: “Der Wagen” – Lübeck im Jahrbuch

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(CIS-intern – Von Horst Schinzel) – Seit 1919 – also fast seit hundert Jahren – erscheint in Lübeck das Jahrbuch „Der Wagen“. Seit einiger Zeit wird es in zweijährigen Abständen im Auftrag der Gesellschaft zur Beförderung Gemeinnütziger Tätigkeit herausgegeben. Kurz vor Schluss des letzten Jahres ist ein neuer Jahresband erschienen. In üppiger Aufmachung bieten die „Lübecker Beiträge zur Kultur und Gesellschaft“ einen Parforceritt durch bemerkenswerte Abschnitte des Lübecker Kulturlebens.

Der Bogen ist weit gespannt und reicht sogar 800 km nach Osten nach Gdansk / Danzig. Manfred Finke untersucht sachkundig die Beweggründe, die zum Wiederaufbau der zerstören Hansestadt geführt haben, und den Wandel im Denken der heutigen polnischen Verantwortlichen. Sollte jahrzehnetlang die Polonität Danzigs betont werden, so geben heute die Verantwortlichen für Denkmalpflege und Baukunst zu, dass an der Nogat die Steine eben doch Deutsch reden. Und entsprechend hat ein Wandel in der Traditionspflege eingesetzt. Der Verfasser zeigt auf, dass dort noch viel zu tun ist und fragt angesichts dem Zeitgeist entsprechender Hotelneubauten, wohin der Weg führen wird.

Foto: Sven L. / pixelio.de

Jeden Geschichtsfreund erfreut ein fachkundiger Beitrag von Michael Hundt über das Militärwesen der Stadt vom Mittelalter bis zur Auflösung der eigenständigen Garnison im Jahre 1867. Lübeck war lange eine uneinnehmbare Festung – 1806 allerdings dann nicht mehr, wie Blücher leidvoll erfahren musste. Welche Beziehungen Thomas Mann auch von München aus zur gleichaltrigen Gesellschaft der Hansestadt unterhielt, erfahren wir aus einem Beitrag über die „reizende Natalia“- Natalia Kuhlenkampf. Zu ihrer Zeit eine bedeutende Gestalt in der Lübecker Gesellschaft des beginnenden 20 Jahrhundert mit einem tragischen persönlichen Schicksal – am Lebensende geschieden, vom Geliebten verlassen und schließlich verarmt.

Weitere Beiträge setzen sich mit dem Malskat-Prozess, der Scharwenka-Gesellschaft den Künstlern Jo Bossany, Johannes und Silke Thoemmes, Albert Aereboe, Curt Stoermer, Reiner Erhard Teuber auseinander. Reizvoll eine Betrachtung von Roswitha Siebert zu den Adlern im Adlersaal – heute Café – des Kanzleigebäude Ein Gang durch das historische Wakenitz-Viertel jenseits der Falkenstraße, ein bemerkenswerter Fund bei Grabungen im Gründerviertel und die modernistische Revierförsterei Behlendorf sind jedenfalls lesenswert

Der Wagen, 2012, herausgegeben von Manfred Eickhöter, Hansisches Verlagskontor.