Arbeitsmarktbilanz für Ostholstein 2015 und Ausblick 2016

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Foto: Olga Nommensen(CIS-intern) – Die deutsche Wirtschaft ist im Jahr 2015 weiter moderat gewachsen. Das reale Bruttoinlandsprodukt hat nach aktuellen Schätzungen um 1,7 Prozent zugenommen, nach 1,6 Prozent im Jahr 2014. Motor dieser Entwicklung war die private und staatliche Binnennachfrage. Der Arbeitsmarkt entwickelte sich positiv und stützte das Wirtschaftswachstum. Der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg weiter an. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung haben sich verringert.

Foto: Bildunterschrift: Markus Dusch (rechts) und Karsten Marzian stellten die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt vor (c) Olga Nommensen

„Auch im Bezirk der Agentur für Arbeit Lübeck befindet sich der Arbeitsmarkt in einer guten Grundverfassung. Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie zuletzt 1992 und die Arbeitslosenquote bleibt im Kreis Ostholstein unter Bundes- und Landesschnitt. Dennoch profitierten Arbeitslose nur zum Teil von dem Beschäftigungsaufbau. Oftmals passen ihre Profile in berufsfachlicher, qualifikatorischer und regionaler Hinsicht nur unzureichend zur Arbeitskräftenachfrage. Der Zuwachs der Beschäftigung resultierte vor allem aus gestiegener Erwerbsbeteiligung von Frauen, Älteren und Ausländern. Die Wirtschaftsforschungsinstitute und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sagen für 2016 weiterhin ein moderates Wachstum voraus. Ich gehe davon aus, dass auch die Beschäftigung in unserem Bezirk weiter wächst. Dennoch müssen wir mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit rechnen, insbesondere aufgrund der prognostizierten Flüchtlingszahlen: 790 in der Arbeitsagentur Lübeck, 745 im Jobcenter Ostholstein und 1.666 im Jobcenter Lübeck. 2015 hatte der Zuzug geflüchteter Menschen noch vergleichsweise geringen Einfluss auf die Arbeitslosigkeit. In vielen Fällen wird es sich jedoch nicht um Fachkräfte von morgen, sondern um Fachkräfte von übermorgen handeln. Spracherwerb, berufliche Orientierung und Qualifikation brauchen Zeit. Der Arbeitsagentur und den Jobcentern wurden zusätzliches Personal und Geld für Arbeitsmarktpolitik zur Verfügung gestellt. Spezielle Teams „Flucht und Asyl“ werden sich um die Integration kümmern. Allen anderen Kunden werden wir weiterhin unsere Dienstleistungen in gewohntem Umfang anbieten. Personengruppen, die bisher nicht ausreichend von der guten Arbeitsmarktlage profitieren konnten, werden wir entsprechend ihren Fähigkeiten und den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes qualifizieren sowie möglichst passgenau in Beschäftigung und Ausbildung vermitteln. Hier sind wir jedoch auf die Kooperationsbereitschaft aller Arbeitsmarktpartner angewiesen. Unternehmen sollten zu Kompromissen bei der Stellenbesetzung bereit sein und versteckten Talenten eine Chance geben“, appelliert Markus Dusch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Lübeck.

1. Beschäftigung

Bereits das sechste Jahr in Folge steigt die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kreis Ostholstein an. Die bis zur Jahresmitte 2015 vorliegenden Daten sprechen dafür, dass der gesetzliche Mindestlohn zu keinem Arbeitsplatzverlust geführt hat. Da es viele Einflussfaktoren gibt, kann jedoch nur die Forschung – und das erst zu einem späteren Zeitpunkt – Aussagen zu einer längerfristigen Beschäftigungswirkung des Mindestlohns treffen.

Ende Juni 2015 haben 57.090 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Kreis Ostholstein gearbeitet, ein Plus von 655 oder 1,2 Prozent. Die Entwicklung fiel etwas schwächer als in Schleswig-Holstein (+1,9 Prozent) und im Bundesgebiet (+2,0 Prozent) aus.

Bei der Zahl der geringfügig entlohnten Beschäftigten ist ein leichter Anstieg auf 17.768 (+41 oder 0,2 Prozent) zu beobachten. In Schleswig-Holstein (-1,4 Prozent) und im Bundesgebiet (-1,7 Prozent) gab es dagegen einen Rückgang. Eine geringfügig entlohnte Beschäftigung liegt vor, wenn das Arbeitsentgelt aus dieser Beschäftigung regelmäßig im Monat 450 Euro nicht überschreitet.

Insbesondere in den Wirtschaftszweigen Gesundheitswesen (+457), Gastgewerbe (+392), Handel (+298), Immobilen, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen (+210) nahm die Zahl der Beschäftigten zu. Einen Rückgang gab es im Wirtschaftszweig Verkehr und Lagerei (-223), bei dem es im letzten Jahr noch einen Zugang gab. Rückläufig war die Beschäftigtenzahl auch im verarbeitenden Gewerbe (-185), bei öffentlichen Verwaltungen (-166) sowie Heimen und Sozialwesen (-164).

Mit 78,4 Prozent der Beschäftigten ist der tertiäre oder Dienstleistungssektor stärker ausgeprägt als im Landes- (74,8 Prozent) und Bundesschnitt (70,2 Prozent). Da die Gehälter im Dienstleistungssektor meist niedriger als zum Beispiel im verarbeitenden Gewerbe sind, sind auch die Bruttoarbeitsentgelte im Vergleich zu anderen Regionen entsprechend niedriger. 2013 lag in Ostholstein der Medianwert der monatlichen Bruttoarbeitsentgelte von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende) bei 2.435 Euro. In Schleswig-Holstein lag er bei 2.740 und im Bundesgebiet bei 2.959 Euro.
Demografiebedingt ist die Zahl der älteren Arbeitnehmer zwischen 55 und 65 Jahren auf 9.678 (+3,9 Prozent) gestiegen. Besonders stark war der Anstieg mit 16,2 Prozent auf 531 Arbeitnehmer bei 65 Jahre und Älteren.

Vom Zuwachs der Beschäftigung haben Frauen (+1,9 Prozent) und Ausländer (+1,9 Prozent) ebenfalls profitiert. 53,2 Prozent (30.352) aller Beschäftigten, die in Ostholstein arbeiten, sind weiblich und 4,8 Prozent (2.737) haben eine ausländische Staatsangehörigkeit.

Aufgrund von Einpendlern ist der Anteil der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ausländer, die im Kreis Ostholstein wohnen, mit 3,9 Prozent (2.700) etwas niedriger. Er liegt unter dem Anteil in Schleswig-Holstein (4,7 Prozent) und im Bundesgebiet (8,8 Prozent). Die größte Gruppe stellen mit 28 Prozent Polen, gefolgt von Rumänen (8 Prozent) und Italienern (6 Prozent).

2. Arbeitskräftenachfrage

2015 wurden im Kreis Ostholstein 5.223 offene Stellen zur Besetzung gemeldet, das waren 6,3 Prozent mehr als 2014. In Schleswig-Holstein nahm das Angebot um 2,5 Prozent und im Bundesgebiet um 7,0 Prozent zu.

Die stärkste Nachfrage gab es im Gastgewerbe (1.023 Stellen), Arbeitnehmerüberlassung (746), wirtschaftlichen Dienstleistungen (708), Handel (597), Gesundheits- und Sozialwesen (562) sowie Baugewerbe (329). Der mit rund 120 Prozent (+406 Stellen) starke Anstieg bei der Arbeitnehmerüberlassung hängt mit einer Verschiebung der statistischen Zuordnung zusammen. Stellen eines Unternehmens aus dem Kreis Ostholstein wurden vorher in anderen Niederlassungen und Wirtschaftszweigen gemeldet.

Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage verschiebt sich in einigen Berufen bereits zu Gunsten der Arbeitnehmer. In Berufen der Mechatronik, Energie und Elektronik standen in Ostholstein zum Beispiel nur noch rechnerisch 0,6 Arbeitslose je gemeldeter Stelle zur Verfügung. In nichtmedizinischen Gesundheitsberufen waren es rechnerisch 1,1 Arbeitslose. Auch in Reinigungsberufen, Berufen der Lebensmittelherstellung und –verarbeitung, Kunststoff- und Holzherstellung oder Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen gibt es zunehmend weniger Bewerber pro Stelle. Entsprechend lang ist auch die Zeit von dem gewünschten Besetzungstermin bis zur tatsächlichen Besetzung der Stelle. Sie lag zum Beispiel in nichtmedizinischen Gesundheitsberufen bei 152 Tagen und in Berufen der Mechatronik, Energie und Elektronik bei 100 Tagen.

3. Arbeitskräfteangebot

Im Gesamtbezirk der Agentur für Arbeit Lübeck waren im Jahresdurchschnitt 17.083 Arbeitnehmer arbeitslos gemeldet, 349 oder 2,0 Prozent weniger als 2014.

Im Kreis Ostholstein ging die Arbeitslosigkeit mit 3,3 Prozent oder 215 Frauen und Männern auf 6.225 etwas stärker als in Schleswig-Holstein (-3,1 Prozent) und etwas geringer als im Bundesgebiet (-3,6 Prozent) zurück.

Von den 6.225 Arbeitslosen waren 2.229 (-135 oder 5,7 Prozent) bei der Agentur für Arbeit und 3.995 (-80 oder 2,0 Prozent) beim Jobcenter Ostholstein gemeldet.

Der Bezirk ist geprägt von einer hohen Saisonarbeitslosigkeit mit starken Zu- und Abgängen. Die meisten Arbeitslosen waren im Januar (7.880) gemeldet, während der niedrigste Bestand im Oktober (5.357) erreicht wurde.

Die Saisondynamik ist im Rechtskreis SGB III stärker ausgeprägt als im Rechtskreis SGB II. Im Laufe des Jahres 2015 wurde hier die Arbeitslosigkeit vom höchsten Wert 3.600 im Januar auf 1.537 im Juni mehr als halbiert.

Im Jobcenter Ostholstein wurde der höchste Jahreswert mit 4.293 im Februar erreicht, während der Tiefstwert mit 3.753 im September lag.

Die Arbeitslosigkeit ist kein fester Block, vielmehr gibt es viel Bewegung. Im Laufe des Jahres 2015 haben sich im Gesamtbezirk in beiden Rechtskreisen 43.760 ( 1,6 Prozent zum Vorjahr) Arbeitnehmer arbeitslos gemeldet und 43.773 (-4,4 Prozent) Frauen und Männer konnten die Arbeitslosigkeit wieder verlassen.

Im Kreis Ostholstein meldeten sich 16.491 (-2,8 Prozent) Frauen und Männer im Laufe des Jahres arbeitslos; 9.030 (-4,1 Prozent) davon in der Arbeitsagentur und 7.461 (-1,2 Prozent) im Jobcenter. Die Arbeitslosigkeit wieder verlassen konnten 16.549 (-4,8 Prozent) Arbeitnehmer; 8.561 (-4,8 Prozent) davon wurden von der Arbeitsagentur und 7.988 (-4,7 Prozent) vom Jobcenter betreut.

Dabei ist die Zahl der Meldungen aus einer Erwerbstätigkeit in der Arbeitsagentur um 223 oder 3,5 Prozent auf 6.195 Arbeitnehmer und im Jobcenter Ostholstein um 154 oder 7,2 Prozent auf 1.997 gefallen. In eine Erwerbstätigkeit einmünden konnten 4.924 der von der Arbeitsagentur betreuten Arbeitnehmer, 310 oder 5,9 Prozent weniger als 2014. Im Jobcenter waren es 2.269 (-93 oder 3,9 Prozent).

Rund 57 Prozent der Abgänge aus Arbeitslosigkeit sind in Lübeck und Ostholstein jedoch auch noch sechs und 12 Monaten später sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Bei weiteren 1.169 Arbeitnehmern, die sich arbeitsuchend gemeldet haben, wurde die Arbeitslosigkeit verhindert. Sie konnten bereits während der Job-to-Job-Phase integriert werden.

Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen ging um 0,3 Prozentpunkte auf 6,1 Prozent zurück. Damit war sie erneut niedriger als die Quote von Schleswig-Holstein (6,5 Prozent) und vom Bundesgebiet (6,4 Prozent). Durch die starke Saisonprägung des Kreises bewegte sie sich im Jahresverlauf zwischen 7,8 und 5,3 Prozent.

Außer im Bezirk Eutin gab es auf allen regionalen Arbeitsmärkten einen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Die Dienststelle Timmendorfer Strand verzeichnete erneut die niedrigste Arbeitslosenquote im Kreisgebiet.

Bezirk

Bestand an Arbeitslosen

% – Veränd. zum Vorjahr

Arbeitslosenquote

auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen

SGB III-

Anteil

SGB II-

Anteil

Schleswig-Holstein

97.850

-3,1

6,5

30,8

69,2

Gesamtbezirk

17.083

-2,0

8,1

26,5

73,5

Hansestadt Lübeck

10.858

-1,2

9,9

21,1

78,9

Ostholstein

6.225

-3,3

6,1

35,8

64,2

Bezirk Eutin

1.867

+0,8

7,8

24,8

75,2

Bezirk Neustadt

995

-5,6

6,2

44,1

55,9

Bezirk Oldenburg

1.651

-3,1

6,6

36,5

63,5

Bezirk Timmendorfer Strand

764

-8,0

5,0

43,3

56,7

Die Jahresarbeitslosenquote der von der Arbeitsagentur betreuten Arbeitnehmer ging um 0,1 Prozentpunkte zum Vorjahr auf 2,2 Prozent zurück. Im Jahresverlauf bewegte sie sich zwischen 3,6 und 1,5 Prozent.

Die Quote der Kunden des Jobcenter Ostholstein ging ebenfalls um 0,1 Prozentpunkte auf 3,9 Prozent zurück. Hier waren die Saisonschwankungen weniger stark ausgeprägt und bewegten sich zwischen 4,3 und 3,7 Prozent.

Beide Arbeitslosenquoten sind seit 2005 stärker zurückgegangen als in Schleswig-Holstein.

4. Arbeitslosigkeit einzelner Personengruppen

Im Jahresdurchschnitt ging die Zahl der Frauen (-5,0 Prozent) stärker zurück als die der Männer (-2,0 Prozent). Damit fiel der Anteil der Frauen an allen Arbeitslosen auf 45,4 Prozent. Insgesamt waren 2.828 Frauen (1.086 SGB III, 1.742 SGB II) und 3.397 Männer (1.143 SGB III, 2.254 SGB II) im Jahresdurchschnitt arbeitslos.

Jüngeren unter 25 Jahren konnten am stärksten vom Rückgang der Arbeitslosigkeit profitieren. Bei jungen Menschen, die von der Arbeitsagentur betreut werden, gab es einen Rückgang um 8,8 Prozent und beim Jobcenter um 4,4 Prozent. Im Jahresdurchschnitt waren 609 Jüngere (246 SGB III, 363 SGB II) arbeitslos gemeldet. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen lag bei 9,8 Prozent. In Schleswig-Holstein betrug der Anteil 10,2 Prozent.

Ältere dagegen hatten es schwerer auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Insgesamt waren 2.385 (958 SGB III, 1.427 SGB II) der Arbeitslosen älter als 50 Jahre, 1,9 Prozent mehr als 2014. Bei der Arbeitsagentur gab es einen Rückgang um 2,3 Prozent und beim Jobcenter einen Anstieg um 4,9 Prozent. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen lag bei 38,3 Prozent und war damit höher als in Schleswig-Holstein mit 32,6 Prozent.

Bei den Langzeitarbeitslosen gab es einen Rückgang. Insgesamt waren 2.152 Arbeitnehmer ein Jahr und länger arbeitslos (-2,1 Prozent). Ihr Anteil an allen Arbeitslosen lag bei 34,6 Prozent und war damit niedriger als in Schleswig-Holstein (37,1 Prozent). Bei der Arbeitsagentur waren 8,5 Prozent aller Arbeitslosen Langzeitarbeitslose (190) und beim Jobcenter 49,1 Prozent (1.962).

Die Zahl der Arbeitslosen ohne abgeschlossene Berufsausbildung ist im Jobcenter Ostholstein auf 2.232 (+39 oder 1,8 Prozent) angestiegen. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen ist mit 55,9 Prozent mehr als doppelt so hoch wie in der Arbeitsagentur. Mit 461 (-8 oder 1,6 Prozent) Arbeitnehmern sind hier 20,7 Prozent der Arbeitslosen ohne berufliche Qualifikation.

Einen Anstieg gab es auch bei Arbeitslosen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Im Jahresdurchschnitt waren 507 Ausländer arbeitslos gemeldet, 67 oder 15,3 Prozent mehr als 2014. Der Anstieg fiel stärker als im Landesschnitt aus (+11,4 Prozent). 25,8 Prozent (131; +21 oder 18,8 Prozent) davon wurden von der Arbeitsagentur und 74,2 Prozent (376; +47 oder 14,1 Prozent) vom Jobcenter betreut. Die größte Gruppe stellen mit 18 Prozent Polen, gefolgt von Syrern mit 11 Prozent. Es ist jedoch davon auszugehen, dass es sich dabei um Ausländer handelt, die sich schon länger in Deutschland aufhalten und die Flüchtlingsbewegungen erst 2016 abgebildet werden.

5. Unterbeschäftigung

Neben dem gesetzlich definierten Kreis der Arbeitslosen gibt es weitere Menschen, die ohne Beschäftigung sind. Sie werden in der Unterbeschäftigung erfasst und monatlich veröffentlicht, um den Arbeitsmarkt transparent zu machen. Die Unterbeschäftigung stellt damit das Defizit an regulärer Beschäftigung dar. Hier werden neben den Arbeitslosen beispielsweise Personen in Qualifizierungsmaßnahmen oder Arbeitsgelegenheiten, Krankgeschriebene, geförderte Existenzgründer oder Arbeitsuchende mit Vorruhestandsregelungen ausgewiesen.

Im Kreis Ostholstein betrug 2015 die Unterbeschäftigung im Jahresdurchschnitt 7.596 Personen. Die Zahl ging in den letzten zwölf Monaten um 471 Personen (-5,8 Prozent) zurück. Die Unterbeschäftigungsquote betrug 7,4 Prozent (-0,5 Prozentpunkte) und lag niedriger als in Schleswig-Holstein (8,2 Prozent). 1.371 Personen befanden sich im Jahresdurchschnitt in Entlastungsmaßnahmen.
6. Ausgaben und Planungen für den Bezirk der Arbeitsagentur Lübeck

Die Agentur für Arbeit Lübeck hat 2015 in der Hansestadt Lübeck und im Kreis Ostholstein 130,5 Millionen Euro ausgegeben; 2,5 Millionen oder 1,9 Prozent weniger als 2014.

53,5 Prozent der Haushaltsmittel wurden unter anderem für die Lohnersatzleistungen Arbeitslosengeld I (65,4 Millionen Euro; -2,1 Prozent) und Insolvenzgeld (4,4 Millionen Euro; +36,0 Prozent) gezahlt. Dabei gab es im Jahresdurchschnitt 4.894 Arbeitslosengeld I-Bezieher, die monatlich durchschnittlich 814 Euro erhielten.

26,0 Prozent (34,0 Millionen Euro; -5,6 Prozent) wurden für Leistungen der aktiven Arbeitsförderung gewährt.

Die Integration von Arbeitslosen auf dem Arbeitsmarkt wird 2016 durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen weiter unterstützt. Für Weiterbildung, Eingliederungszuschüsse und Förderung der Selbständigkeit wurden insgesamt 12,2 Millionen Euro veranschlagt. 1,3 Millionen Euro davon gibt es für die Integration von Flüchtlingen mit großer Bleibeperspektive. Enthalten sind auch 1,0 Millionen Euro für die „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter Älterer ab 50 Jahren in Unternehmen“ (WeGebAU) sowie 0,9 Millionen Euro für das Sonderprogramm „Initiative zur Flankierung des Strukturwandels zum Erwerb anerkannter Berufsabschlüsse bzw. Teilqualifikationen bei Geringqualifizierten“ (IFLAS). Hier können zum Beispiel betriebliche Umschulungen von ehemals Arbeitslosen gefördert werden.

1.223 Jugendliche wurden von der Agentur für Arbeit und 146 vom Jobcenter Lübeck und Jobcenter Ostholstein zum Beispiel durch berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen, ausbildungsbegleitende Hilfen oder Einstiegsqualifizierungen gefördert. Seit Herbst 2015 werden 30 junge Menschen durch das neue Instrument der „Assistierten Ausbildung“ unterstützt. Dieses kostenfreie Angebot an zusätzlichem Unterricht und sozialpädagogischer Begleitung hilft dabei, den Abschluss erfolgreich zu erreichen. Auch 2016 werden junge Menschen im erforderlichen Umfang beim Start ins Berufsleben unterstützt.
7. Ausgaben und Planungen des Jobcenters Ostholstein

2015 ist es dem Jobcenter Ostholstein gelungen, die Zahl der Bedarfsgemeinschaften (Stand September 6.708, -1,4 Prozent zum Vorjahr), nicht erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (3.307; -0,7 Prozent) sowie erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (8.892; -1,0 Prozent) zu senken. Von den 8.892 erwerbsfähigen Leistungsberechtigte waren 921 (+153 oder 19,9 Prozent) ausländischer Herkunft. Die am stärksten vertretenen Herkunftsländer sind neben Polen (137) die Arabische Republik Syrien (132), Türkei (68), Russische Föderation (62), Serbien (38), Irak (38) und Afghanistan (37). Die Zahl der arbeitslosen Ausländer stieg etwas geringer um 47 (+14,1 Prozent) auf 376.

Insgesamt hat das Jobcenter Ostholstein 29,5 Millionen Euro (+3,9 Prozent) für Arbeitslosgengeld II ausgegeben.

Nur zwei von fünf Arbeitslosengeld II- Bezieherinnen und Beziehern sind arbeitslos. Der überwiegende Teil der nicht arbeitslosen Leistungsempfängern befindet sich in einer ungeförderten (35 Prozent) oder geförderten (9 Prozent) Erwerbstätigkeit sowie im Studium oder Schulbesuch (14 Prozent). Leistungen zum Lebensunterhalt nach dem SGB II werden auch bei arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen (11 Prozent), vorruhestandsähnlichen Regelungen (5 Prozent) oder bei Kindererziehung/ Pflege von Angehörigen (10 Prozent) gewährt.

2016 stehen 7,2 Millionen Euro für Eingliederungsleistungen wie berufliche Weiterbildung (21 Prozent des Budgets), Aktivierung und berufliche Eingliederung (26 Prozent), Maßnahmen für Jugendliche (4 Prozent), Einstiegsgeld (1 Prozent), Eingliederungszuschüsse (7 Prozent), Arbeitsgelegenheiten (3 Prozent) oder weitere Fördermaßnahmen (20 Prozent) zur Verfügung. Enthalten sind hier auch 0,3 Millionen Euro für die Integration von Asylberechtigten. Außerdem kann das Jobcenter Ostholstein aus dem Bundesprogramm „Soziale Teilhabe am Arbeitsleben“ 1,7 Millionen Euro und dem ESF-Projekt zur Förderung von Langzeitarbeitslosen 1,3 Millionen Euro einsetzen. Insgesamt werden damit 2016 10,2 Millionen Euro für aktive Arbeitsmarktförderung verwendet.

„2015 war für das Jobcenter Ostholstein ein sehr erfolgreiches Jahr. Mich freut besonders, dass wir 150 Frauen und Männer mehr als 2014 in eine Beschäftigung bringen konnten. Mit gut 2.900 Integrationen in Arbeit konnten wir das bislang höchste Ergebnis seit Bestehen der Arbeitsgemeinschaft bzw. des Jobcenters Ostholstein erreichen. 2.000 Frauen und Männern haben wir 2015 mit Hilfe unserer arbeitsmarktpolitischen Instrumente aktiviert, qualifiziert und in eine Beschäftigung vermittelt. Besonders hilfreich war dabei die Förderung von Führerscheinen und Fahrzeugen, wo eine Arbeitsaufnahme wegen keiner oder schlechter Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr nicht möglich war. Zur Integration unserer Kunden in den Arbeitsmarkt helfen uns 2016 zusätzlich die beiden Bundesprogramme für langzeitarbeitslose Frauen und Männer sowie die zusätzlichen Finanzmittel zur Förderung von Asylberechtigten“, erläutert Karsten Marzian, Geschäftsführer des Jobcenters Ostholstein.

8. Handlungsbedarf 2016

„Um nachhaltige Änderungen zu erreichen, braucht man einen langen Atem. Oftmals muss man – gerade bei Arbeitslosen in der Grundsicherung – langfristig vorgehen, um nach und nach kleine Fortschritte zu erzielen. Eine der bleibenden Herausforderungen im Jahr 2016 ist deshalb die Beendigung der Langzeitarbeitslosigkeit. Mit Bildung und Qualifizierung können wir Menschen auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vorbereiten. Doch wir brauchen auch Unternehmen, die bereit sind diesen Menschen eine Chance zu geben. Strukturproblemen begegnet man am besten, bevor sie entstehen. Deshalb müssen Unternehmen auch schwächeren Schulabgängern den Übergang ins Berufsleben beziehungsweise in eine duale Ausbildung ermöglichen. Zugleich sollte jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss eine zweite Chance geboten werden. Ebenso wichtig ist die Bereitschaft der Unternehmen, die Weiterbildung ihrer Beschäftigten zu intensivieren. Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen sollten ihren geringqualifizierten Beschäftigten einen Kammerabschluss ermöglichen und ältere Beschäftigte weiterbilden. Die kommende Herausforderung des demografischen Wandels und der Fachkräftesicherung erfordert individuelle Personalstrategien in Betrieben. Beträchtliches Potenzial gibt es zum Beispiel bei Frauen, Älteren und bereits in Deutschland lebenden Migranten“, erläutert Agenturchef Dusch.

„Eine neue Herausforderung stellt die Integration der Schutzsuchenden mit guter Bleibeperspektive dar. Auch hier brauchen wir einen langen Atem. Zunächst wird es darum gehen, die Sprache zu erlernen“, ergänzt Dusch.

Das Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz vom Oktober 2015 ermöglichte es der Bundesagentur für Arbeit im Herbst vergangenen Jahres eine schnelle und unbürokratische Hilfe zur Sprachförderung von Flüchtlingen mit guter Bleibeperspektive aus Syrien, Eritrea, Irak und Iran anzubieten. Als einmalige Nothilfe wurden zusätzliche Finanzmittel aus Beitragsmitteln der Arbeitslosenversicherung für Kurse zur Verfügung gestellt, die bis Ende 2015 begannen. Ziel dieser Kurse war es, die Verständigung auf einfachem Niveau überhaupt erst zu ermöglichen und so die Grundlage für eine weitere sprachliche Förderung zu schaffen. Es wurde bundesweit mit bis zu 100.000 Kursteilnehmern bis Jahresende gerechnet, tatsächlich meldeten die Bildungsträger mehr als 200.000 Eintritte. Im Agenturbezirk Lübeck nahmen 2.000 geflüchtete Menschen bei verschiedenen Bildungsträgern teil.

„Da die Qualifikationen, die die geflüchteten Menschen mitbringen, höchst unterschiedlich und oftmals nicht vergleichbar mit unseren Abschlüssen sind, werden berufliche Orientierung und Qualifizierung erforderlich sein. Hier setzen die Integrationskurse und die berufsbezogene Sprachförderung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) an, die wir bei Bedarf um weitere arbeitsmarktpolitische Maßnahmen ergänzen werden. Zwei Drittel der Flüchtlinge sind jünger als 30 Jahre. Wenn wir es gemeinsam schaffen, ihnen Wege in Ausbildung und Arbeitsmarkt zu erschließen, bietet die Zuwanderung große Chancen für unsere Region. Gerne steht der Arbeitgeber-Service Unternehmen als Partner rund um alle Fragen zur Nachwuchs- und Personalgewinnung sowie Qualifizierung der einheimischen und ausländischen Arbeitnehmer zur Seite“, bietet Dusch an.

Presse Agentur für Arbeit Lübeck

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