AKW Brunsbüttel: Kaverneninspektionen in Brunsbüttel sollen noch in diesem Jahr beendet werden

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(CIS-intern) – Im Kernkraftwerk Brunsbüttel wird vom kommenden Montag (10. November .2014) an die letzte der sechs Kavernen mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen inspiziert. Der Betreiber Vattenfall wird den Zustand der Fässer sowie die Kaverne selbst untersuchen. Da Vattenfall dem Wunsch der Atomaufsicht beim Energiewendeministerium gefolgt ist und einen Zwei-Schichtbetrieb eingerichtet hat, werden die Arbeiten aller Voraussicht nach noch in diesem Jahr – und damit früher als ursprünglich geplant – abgeschlossen. Dies teilte das Ministerium heute (7. November 2014) mit.

Gesundheitsgefahren für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Kernkraftwerks und für die Bevölkerung bestehen nicht, da die Kavernen durch meterdicke Betonriegel von der Umgebung abgeschirmt sind.

Foto: Draufsicht auf die teilgeöffnete Kaverne I. Gut zu erkennen ist der abgesenkte Fassstapel oben links (Fass-Nr. V132).

Kaverne VI: Inspektion bringt besondere Herausforderungen
Die Inspektion der Kaverne VI stellt besondere Herausforderungen dar. In der Kaverne befinden sich nach bisherigen Erkenntnissen neben aktivierten ehemaligen Einbauten des Reaktorkerns (Wasserabscheider, Speisewasserverteiler) 221 Fässer mit Verdampfer- und Filterkonzentraten. Das ist nicht nur eine hohe Anzahl, sondern die Fässer sind auch vergleichsweise schwierig zugänglich. So sind die Fässer – teilweise liegend – in sogenannten Stahlmulden (nach oben hin offenen Containern) eingebracht, was die Inspektion erschweren kann. Daher wurden für die Untersuchung knapp zwei Monate veranschlagt. Nach Angaben der Betreiberin wurde die Kaverne VI zuletzt vor 32 Jahren geöffnet. Es ist auch hier mit erheblichen Schäden zu rechnen.

Ergebnisse der Inspektion von Kaverne III:
Zuletzt hatte die Betreibergesellschaft Kaverne III inspiziert; die Untersuchung wurde am 21. Oktober abgeschlossen. Nach Auswertung der Ergebnisse sind von den dort gelagerten 74 Fässern 34 stark beschädigt. Für das Inventar dreier Fässer konnte die Betreibergesellschaft keine Deklaration vorlegen, die zu jedem Fass zum Zeitpunkt der Einlagerung gefertigt werden muss. Die drei Fässer sind allerdings weder vom äußeren Erscheinungsbild noch radiologisch auffällig. Ihr Inhalt muss geprüft und nachdeklariert werden.

Ferner stellte sich im Zuge der Inspektion heraus, dass ein Fass noch im Bestand der Kaverne III geführt wurde, aus dieser aber schon von der Betreibergesellschaft 2010 in eine separate Lagerstätte (zunächst im Feststofflager oberhalb der Kavernen, seit Juli 2014 im Maschinenhaus) des Kernkraftwerks ausgelagert worden war. Daher minimiert sich die Zahl der Fässer in der Kaverne von 75 auf 74, die Gesamtzahl der Fässer in den Kavernen auf 630. Den Gesamtumständen der Umlagerung geht die Atomaufsicht derzeit nach.

Zwischenergebnis zur Kaverneninspektion:
Von 630 Fässern sind 409 inspiziert worden, 136 davon sind als stark beschädigt anzusehen. Dabei handelt es sich vornehmlich um ausgeprägte Korrosionserscheinungen, Verformungen am Fassmantel, Löcher im Fassmantel und mangelhaft sitzende Verschlussringe. In einigen Fällen sind Fassinhalte ausgetreten. Dabei handelt es sich um schwach- und mittelradioaktive Konzentrate, die sich an Fassoberflächen und am Boden der jeweiligen Kaverne angesammelt haben.

In allen Kavernen sind zudem die Baustrukturen – d.h. Kavernenboden, soweit einsehbar, und Kavernenwände – durch Bausachverständige mittels Kamerainspektionen untersucht worden. Dabei sind keine Befunde festgestellt worden, die die Tragfähigkeit und Dichtigkeit der Kavernen beeinträchtigen.

Bergungskonzept wird geprüft
Vattenfall hat bei der Atomaufsicht am 7. November 2014 ein Konzept eingereicht, das ab Anfang 2015 der Räumung der Kavernen und der Umverpackung des radioaktiven Materials dienen soll. Die Betreibergesellschaft will die Fässer in fünf Schadenskategorien einteilen und den einzelnen zu bergenden Materialien die jeweiligen Handhabungsapparaturen zuordnen. Hierbei sollen verschiedene Greifertechniken zum Einsatz kommen. Zentraler Punkt des Konzeptes ist der Einsatz einer lüftungstechnischen Einhausung, die bei den Räumungsarbeiten eine sichere Zurückhaltung der Radioaktivität und damit den Schutz des Personals gewährleistet. Da das Konzept derzeit nur die bisherigen Inspektionsergebnisse, soweit ausgewertet, berücksichtigen kann, muss es möglicherweise nach der Untersuchung der Kaverne VI noch ergänzt werden. Die atomrechtliche Aufsichtsbehörde prüft zurzeit unter Beteiligung von Sachverständigen des TÜV NORD die von Vattenfall bisher eingereichten Unterlagen.

Minister Robert Habeck: „Die Zustände in den Kavernen sind erschreckend. Wichtig ist es, dass die Fässer zügig geborgen werden, damit sie nicht noch weiter rosten. Und: Wir wollen das AKW Brunsbüttel schnellstmöglich zurückbauen und frei von Atommüll bekommen.“

In sechs unterirdischen Lagerstätten (“Kavernen”) des Kernkraftwerks Brunsbüttel befinden sich schwach- und mittelradioaktive Abfälle (630 Fässer) aus dem Reaktorbetrieb. Es handelt sich im Wesentlichen um Filterharze und Verdampferkonzentrate. Ein weiteres Fass aus den Kavernen befindet sich im Maschinenhaus (Kontrollbereich).

Die Fässer lagern in 6 Kellerräumen, den sogenannten Kavernen des Kernkraftwerks. In den Stahlfässern werden radioaktive Abfälle (Filterharze, Verdampferkonzentrate und Mischabfälle) aus dem Leistungsbetrieb des Reaktors aufbewahrt. Die Kavernen befinden sich im Keller des Feststofflagers. Sie bilden mit Betonwänden und Betonriegeln die Barriere, um die Umwelt vor Strahlung zu schützen. So sind sie durch 110 Zentimeter dicke Betonriegel von oben her abgeschirmt. Diese Betonriegel reduzieren die Strahlung so weit, dass oberhalb der Kaverne unter Strahlenschutzmaßnahmen gefahrlos gearbeitet werden kann.
Die Abfälle sind auf die Endlagerung im niedersächsischen “Schacht Konrad” vorzubereiten, u.a. durch Verpackung aller Abfälle in bauartgeprüfte, speziell zugelassene Behälter. Das Endlager Konrad wird voraussichtlich Anfang des kommenden Jahrzehnts zur Verfügung stehen. Bis dahin sollen die Fässer am Standort Brunsbüttel gelagert werden, zunächst in den bereits bestehenden Transportbereitstellungshallen, dann in einem neu zu errichtenden Zwischenlager für schwach- bis mittelradioaktive Abfälle, das im Zuge des beantragten Rückbaus des Kernkraftwerks entstehen soll.

Die Kavernen sind nur von oben zugänglich. Die Öffnung der Betonriegel und die Arbeiten an den geöffneten Kavernen sind im Hinblick auf den Schutz des Bedienungspersonals und der Bevölkerung unbedenklich. Die Einhaltung der Strahlenschutzvorschriften (wie Betonabschirmungen, Fernbedienung, vorsorglicher Atemschutz) werden von der Reaktorsicherheitsbehörde mit Unterstützung durch Sachverständige des TÜV NORD überwacht.

PM: Nicola Kabel Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume

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