27. Dithmarscher Kohltage 2013 kündigen sich an – erste Programm Hinweise

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(CIS-intern) – Die 27. Dithmarscher Kohltage beginnen mit dem symbolischen Kohl-Pflanzfest im Kohlosseum Wesselburen, bei dem Ministerpräsident Torsten Albig am 3. Mai die ersten Pflanzen ins vorbereitete Beet setzt. Von der Wiege des Kohls ist es gedanklich nur ein kleiner Schritt zur Wiege im Kohlfeld. Während in Deutschland Kinder immer schon vom Klapperstorch ausgeliefert wurden, ist in Frankreich der Kohlgärtner zumindest für den männlichen Nachwuchs zuständig: Knaben wachsen auf dem Kohlfeld.

Die symbolische Wiege des Dithmarscher Kohls steht im Kohlsaal des Kohlosseums Wesselburen, Bahnhofstraße 22a. Wenige Schritte vom Denkmal von Eduard Lass, dem Vater des Dithmarscher Kohlanbaus, entfernt, beginnt Freitag, den 3. Mai 2013, die diesjährige Kohlsaison. 147 Tage vor dem offiziellen Start der 27. Dithmarscher Kohltage, am Dienstag, den 17. September 2013, setzt der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Torsten Albig, in den Räumen der alten Sauerkrautfabrik die ersten Kohlpflanzen in das vorbereitete Museums-Beet. Assistiert wird er dabei von Karsten Peters, für den die Zeit als Kreispräsident des Kreises Dithmarschen nach 15 Jahren im politischen Ehrenamt mit der anstehenden Kommunalwahl endet.

Foto: Leben in Frankreich: Die Knaben stehen gut im Kraut.
Repro: Kreis Dithmarschen

Das Kohlmuseum, Mitglied in der Museumslandschaft Dithmarschen, informiert Besucherinnen und Besucher über die Region, hauptsächlich natürlich über den Wirtschaftszweig Kohl, aber auch über andere landwirtschaftliche Produkte. In einem der oberen Stockwerke des Kohlosseums werden die verschiedenen Techniken der Saatzucht, die harten Arbeitsbedingungen bei der Kohlernte, Transport und Lagerung sowie moderne und historische Verarbeitungstechniken gezeigt. In diesem kohlhistorischen Ambiente findet Jahr für Jahr das traditionelle Kohl-Pflanzfest statt.

„Der ’Förderverein Kohlosseum’ und der ’Organisationskreis der Dithmarscher Kohltage’ (’Verein zur Förderung Dithmarschens’) beginnen mit vielen Freunden Dithmarschens in den rustikalen Räumen der alten Sauerkrautfabrik die neue Kohlsaison“, erklärt Achim Krumbiegel vom Förderverein . Für ihn und seinen Mitstreiter Martin Kehl (Schleswig-Holsteinischer Heimatbund) gehören eine plattdeutsche Lesung und Musik mit Ulf Schirmer und Helmut Robitzky so selbstverständlich zur Auftaktveranstaltung wie das reich gedeckte Dithmarscher Buffet (Kostenbeitrag 15 Euro pro Person) und ein Rundgang durch das Kohlmuseum mit den amtierenden Kohlregentinnen Katharina I. und Sonja II.

Infos und Anmeldung zum Kohl-Pflanzfest 2013 bis zum 28. April 2013 unter Telefon: 04833/45890 oder Fax: 04833/458959

Kohlgärtner oder Klapperstorch: Wer bringt die Kinder?
Der Schornsteinfeger bringt Glück, der Storch die Kinder und der Gärtner den Tod. So jedenfalls sieht es der deutsche Volksmund, der am liebsten, wenn man Heinrich Heine glaubt, Sauerkraut verzehrt. Ganz anders sieht die Rollenverteilung jenseits des Rheins aus, im Elsass etwa, wo gleichfalls das knackige Kraut kultiviert und die entsprechende Kultur gepflegt wird. Dort kümmert sich der Gärtner um das Lieblingsgemüse, das jedoch nicht nur Vitamine liefert, sondern auch den ersehnten Stammhalter. Franzosen warten nicht auf den Meister Adebar. Madame und Monsieur statten ihrem jardinier, dem Herrn Gärtner, einen Besuch ab und kommen mit ihrem baby chou, dem Knaben aus dem Kohl, zurück. Jeunes filles, die Schwesterchen, pflückt man vom Rosenstrauch.

Es sind liebenswerte Postkartenmotive aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, die die Geschichten vom Nachwuchs erzählen. Je nach Adressat oder Absender wird die Herkunft der Knaben und Mädchen ins Bild gesetzt. Sind es bei den Schreitvögeln die Wanderungen, die sie Jahr für Jahr mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks aus der Ferne ihre schleswig-holsteinische Heimat ansteuern lässt, verbinden die Franzosen andere Assoziationen mit ihrem Kohl.

Da wird zum einen angedeutet, der Kohlkopf habe Ähnlichkeit mit einem schwingenden Reifrock, der in allen Gesellschaftsschichten ein übliches Kleidungsstück war und so manches süße Geheimnis verbarg. In Günter Grass Roman „Die Blechtrommel“ sitzt die Großmutter des Erzählers auf einem Feld mit brennenden Krauthaufen und verbirgt unter ihrem Rock den Herrn Koljaizek vor den Augen der Gendarmen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Dithmarscherinnen und Dithmarscher, die schon vor der grünen Revolution des Wesselburener Gärtners Eduard Lass, ihren Kohl im Bauerngärtchen sorgsam gepflegt haben, wissen um die zahlreichen Vitamine und Phytamine, die in der „Zitrone des Nordens“ stecken. Franzosen vertrauen auf eine befruchtende Wirkung des magischen Krauts und legen bei passender Gelegenheit ein Blatt desselben unter das Kopfkissen im Brautbett.

Die Grenze zwischen Schulmedizin und Volksweisheit verschwimmt im Nebel der Überlieferung. Was bleibt, sind – im Fall der Knaben aus dem Kohlfeld – auf jeden Fall die alten farbigen Postkarten mit den gestochen scharfen Gesichtern der kleinen Persönchen. Im Kreis Dithmarschen wurden im vergangenen Jahr 942 Jungen und Mädchen ohne Zutun des Storches entbunden. Das ist bekannt. Trotzdem wird die Mär des hochbeinigen Freundes Adebar als Postillon d’amour auch zwischen Elbe und Eider gepflegt. Wer einen Blick auf die wohl bestellten Gärten der Franzosen wirft mit ihren liebenswerten Kerlchen, die darauf warten, schnell eingesammelt zu werden, wird die Felder im größten geschlossenen Kohlanbaugebiet Europas mit anderen Augen betrachten.

www.dithmarscher-kohltage.de www.echt-dithmarschen.de

Kreis Dithmarschen / Dithmarschen Tourismus

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